Titel: Das Gartenarchiv , 1999

Maurizio Nannucci

Maurizio Nannucci beschreibt sein Studio als universellen Ort, der sich als projizierte Vision und praktische Erfahrung überall befindet. Seine Reisen sind Arbeitsinstrument und Methode, das vom Gewohnten zu Unterscheidende zu entdecken und aus dem erfahrbaren Kontrast neue Bedeutung zu schöpfen. Unterwegs sein bedeutet künstlerischer Impuls, Selbstfindung und Kommunikation. So bewegt sich Nannucci in einer Zone, die – einem Transit gleich – ständigen Übergang und Aufbruch signalisiert.

Eine Zone, die Nannucci immer wieder ansteuert und durchquert, sind botanische Gärten. In welcher Stadt Nannucci sich auch befindet, der botanische Garten übt eine magische Anziehungskraft auf ihn aus. Allein den hortus desideratus auf der Karte zu finden, ihn zu markieren und zu entdecken, begeistert Nannucci und bereitet ästhetisches Vergnügen. „Hortus Botanicus“ dokumentiert botanische Gärten aus allen Teilen der Welt, rekonstruiert methodische Praxis und Reisewege. Der Künstler gibt als Kartograph Orientierung: Er erkundet terra incognita, ortet Punkte, codiert sie und stellt sie in sein originales Koordinatensystem.

Das Verfahren der Aufzählung und Reihung ist ein zentraler Gedanke in Nannuccis Werk. Über lange Zeitspannen hinweg werden Fakten wie Naturgrüntöne (Sessanta verdi naturali), Erdfarben (Colore della terra), Häuser von Künstlern (L.H. Lives here), Archive (Stored images), Botanische Gärten photographiert, gesammelt und registriert. Die Enumeration ermöglicht einen komprimierten Zugriff auf einen Realitätsausschnitt, der als Quelle unerschöpflicher Variationen rekonstruiert wird. Bildkatalog, Verzeichnis und Texte Nannuccis formen ein Sinnbild des Studiums und der Spurensicherung vorgefundener Fakten. Bei dieser Vorgehensweise konzentriert sich künstlerische Arbeit auf Recherche und Reflexion, Erkennen, Benennen und Erinnern. Die Technik des Auflistens und Speicherns von Informationen simuliert die…

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von Gabriele Detterer

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