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Titel: Ästhetik des Immateriellen II · S. 95 - 99
Titel: Ästhetik des Immateriellen II , 1989

Marc Le Bot
Medienkunst

Trotz Cézannes Worten und ihrer zweifelhaften Interpretation gibt es keine „Wahrheit in der Malerei“.

Die Wissenschaften, alle Formen der Erkenntnis sind wahr. Sie beweisen ihre Wahrheit durch ihre technische Leistungsfähigkeit. Die Wahrheit eines Wissens liegt in dieser Leistungsfähigkeit: in der Beherrschung des Wirklichen, die es dem Denken verleiht.

Die Kunst ist weder wahr noch falsch. Es kennzeichnet ihr Denken, daß es die Formen des Wissens aus der Fassung bringt und die Mächte des Wissens erschüttert. So erfüllen die formalen künstlerischen Mittel gleichsam nur ihre Pflicht, wenn sie die Aufmerksamkeit auf die „Sprache“ lenken, in der geredet wird. Sie lenken die Aufmerksamkeit ab vom wahren „Sinn“, den die Wissenschaften aufgestellt haben, und von ihrer technischen Macht.

Was bleibt nun dem, der sich vom „Sinn“ abwendet, der den wirklichen Dingen zugeschrieben wird, und von der Beherrschung, die damit über sie ausgeübt wird? Was bleibt dem Denken der Kunst noch zu denken?

Die Anwesenheit des Wirklichen: das Wirkliche als rätselhafte Anwesenheit, anders als alles, was man davon weiß. Das Denken der Kunst ist die Erfahrung der rätselhaften Andersheit alles Wirklichen, das aus einem Denken entgegensteht.

Macht sich die Kunst, wenn sich ihr Denken außerhalb des den Dingen zugeschriebenen „Sinnes“ bewegt, deshalb schon lächerlich? Beruht sie auf dem „Fest“, in dem die „Werte“ verspottet und verkehrt werden? Und mündet eine Logik des Festes und des Spiels nicht zwangsläufig in „Entertainment“, seichte Unterhaltung, wie sie viele der sogenannten Kulturveranstaltungen bereits bieten: Budenzauber, Rummel?

Wird bei der gegenwärtigen Regellosigkeit der Kunst überhaupt noch berücksichtigt, worum es dem künstlerischen Denken…


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