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Ausstellungen: München/Saarbrücken · von Heinz Schütz · S. 374 - 375
Ausstellungen: München/Saarbrücken , 1991

Heinz Schütz
Nikolaus Lang

»Nunga und Goonya«
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstraum München, bis 16.1.1991

Stadtgalerie Saarbrücken, 21.9. – 3.11.1991

Nunga” bedeutet in der Sprache der südaustralischen Aborigines schwarze Person, “Goonya” bedeutet weiße Person. Andere, offensichtlich ältere Worte für “Weißer” in verschiedenen australischen Stammessprachen lassen etwas von dem Befremden erahnen, das das Erscheinen der Weißen auslöste, und wirken gleichzeitig wie die vorweggenommene Bezeichnung des Verhängnisses, das mit den Kolonisatoren über die australischen Ureinwohner hereinbrach: Die Bezeichnung für Weißer – Nikolaus Langs Katalog weist darauf hin – ist etwa synonym mit “Leiche mit abgezogener Haut” oder mit “gefürchtetes Ungeheuer mit übergroßem Leib, dessen Anwesenheit einen Tod vorhersagt”, mit “Exkrement” oder mit “tot”, denn “als die Adnyamathanha die ersten Weißen sahen, glaubten sie, jene seien die Seelen der Toten.”

Im System der Sprache schlägt sich der Blickwinkel einer Sprachgemeinschaft nieder, unter dem ihre Welt erscheint. Kolonialistische Machtansprüche ignorieren die Sprache des anderen und zwingen ihm die eigene auf. Ganz im Gegensatz hierzu steht der Versuch, sich die Sprache des anderen anzueignen, um dessen Sprache zu sprechen.

Betrachtet man die Entwicklung der Arbeiten Nikolaus Langs, zeigt sich ein Übergang von der verobjektivierenden, quasi-wissenschaftlichen zur identifikatorischen, theatralen “Sprachaneignung”. Dabei bedeutet “Sprachaneignung” hier Konservierung von Spuren, die auf Vergangenes und an die Peripherie Gedrängtes verweisen, Sammlung von Artefakten und Naturalien, an denen Kultur- und Naturgeschichte ablesbar sind. Durchaus als Korrektiv zum alles Verzehrenden und Abfallgebirge prodzuzierenden Konsumrausch sammelt Lang scheinbar Belangloses und gewöhnlich Unbeachtetes. In den “Japanischen Landschaften” (1973) etwa ordnet er die Fundstücke seiner Wanderungen – sie reichen…



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