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Ausstellungen: München · S. 391 - 391
Ausstellungen: München , 1989

Gabi Czöppan
Perejaume

»Fragmente der Monarchie«

Galerie Mosel und Tschechow, 14.9.-11.11.1989

Er ist einer der eigenständigsten spanischen Künstler, einer der jüngsten dazu, und trotz seiner ironisch-verspielten Objektkunst, seiner chamäleonhaften Wandelbarkeit der Formen, Mittel und Verfahren eindeutiger und einprägsamer als mancher postmoderne Adept. Mit Perejaume und seiner übergreifenden Schau zum Thema Neuschwanstein und König Ludwig II. „Fragmente der Monarchie“ holten sich die Galeristen Andrea Tschechow und Erik Mosel ihre bisher interessanteste Ausstellung in die Kunsträume im Starnberger Bahnhof: jenem Teil des Münchner Hauptbahnhofs, von wo aus heute Touristenscharen zum Todesort des bayerischen Märchenkönigs, nach Schloß Berg, an den Starnberger See pilgern.

Perejaumes Arbeiten sind Metaphern solcher Reisen. Der Mythos ein Medium zur Sensibilisierung von Wahrnehmungsräumen, die, selbst vielfältig gebrochen und reflektiert, zum Gesamtkunstwerk wachsen sollen. Collagen, Gemälde, Skulpturen, Installationen, selbst der Essay über Ludwig II. von Bayern und den katalanischen Jugendstilarchitekten Josep Maria Jujol (jüngst in Barcelona unter dem Titel „Ludwig Jujol“ als Buch erschienen) sind Fragmente einer thematischen Einheit. Zum einen ist das die romantische Idee der Landschaft, zum anderen die Dialektik zwischen Sein und Schein. Landschaft und Natur, das sind die bayerischen Berge, Wälder und Seen, zwischen die König Ludwig seine Märchenschlösser Herrenchiemsee, Neu- schwanstein und Linderhof bauen ließ und die dadurch selbst zur romantischen Kulisse gerieten. Der Illusionismus sind Ludwigs Hang zu Theatralik und Selbstinszenierung, die Prunksymbole der Monarchie und der (Größen) Wahnsinn des Bayernkönigs. Beides benutzt Perajaume nur als Vehikel. Der Monarch selbst erscheint als extreme Verkörperung der Unwägbarkeiten der Sprache, „eine Collage des Realen und des Möglichen, real, irreal und…


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