Ausstellungen: Köln · von Jürgen Raap · S. 400
Ausstellungen: Köln , 1995

Jürgen Raap

Philip Pocock

Galerie Brigitte Schenk, Köln, 20.1. – 23.3.1995

Der aus Kanada stammende und an der Pforzheimer Hochschule lehrende Fotokünstler Philip Pocock war hierzulande durch chemisch überarbeitete Cyberchromes bekannt geworden. Bei seiner ersten Einzelausstellung in Köln präsentierte er sich in den Räumen von Brigitte Schenk jetzt mit einer neuen Technik: Das „Inkjak“-Verfahren funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip wie ein Computer-Tintenstrahldrucker, doch wird hier Acrylfarbe auf Leinwand aufgesprüht. Daß bei diesen Bildern mit Waldlandschaften die Unterschiede zwischen Malerei und Fotografie aufgehoben zu sein scheinen, ist nicht nur eine formalästhetische Angelegenheit und eine solche der rein physiologischen Wahrnehmung von Materialität, sondern beruht auf einem darüber hinausreichenden Konzept: Pocock verbindet nämlich bewußt hochaktuelle Kommunikationstechnologie mit Inhalten und Motiven der traditionellen Malerei nicht im Sinne einer vordergründigen Modernisierung, sondern die Technologisierung von Romantizismen verweist auf eine Überlagerung von verschiedenen Wissens-, Gefühls- und Erfahrungsebenen im Kopf des zeitgenössischen Betrachters.

Wenn Pocock seine frühere Beschäftigung mit fotografischer Entwicklungstechnik nun auf eine Bildtechnik überträgt, so dient dies dem Versuch, aus dem Zwitterzustand zwischen malerischem Tafelbild und fotografischem Medienbild heraus eine neue, zeit-adäquate Bildsprache zu konzipieren. Die Vorlagen sind digital eingelesene Fotos von Exkursionen ins Neandertal bei Düsseldorf, doch was dann anschließend auf Leinwand gescannt wird, wirkt mit den Flimmereffekten wie pointillistische Malerei. Das „Naturschöne“, wie es die Malerei vom späten 18. Jahrhundert bis zum Impressionismus einzufangen versuchte, wird hier als immer noch gültiges Anschauungsgut fortgeschrieben ohne jeglichen ironischen Unterton und unter strikter Ausklammerung eines Rekurses auf jene Verkitschung, die solche Sujets woanders medial längst erfahren haben.

Auf Aquarellpapier erreicht Pocock…

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