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Ausstellungen: Paris · S. 388 - 389
Ausstellungen: Paris , 1991

Doris von Drathen

Piero Manzoni –
Pino Pascali –
Ettore Spalletti

Musée d`Art Moderne de la Ville de Paris (ARC),

28.3.-29.5.1991

Es waren nur einige wenige Eier übriggeblieben. Fünf oder sechs von fünfundsiebzig. Das Publikum tatte tatsächlich die Eier aufgegessen. Wie geplant. Die Ausstellung war ein Erfolg. 1960 hatte Piero Manzoni in der Mailänder Galerie Azimuth mit jener Aktion Aufsehen erregt, von der heute ein paar Fotos zeugen und eben jene paar bräunlich schimmernden Eier, die wie Juwele in Kästchen auf Watte gebettet eine der kostbarsten Vitrinen bestücken.

Manzoni hatte damals die Eier, die in den üblichen Kartons auf dem Tisch aufgereiht waren, in einem kleinen Topf gekocht, hatte sie dann mit seinem Daumenabdruck markiert und an das Publikum verteilt. Die Aktion hieß: „Consumazione dell`arte dinamica dai suoi spettatori stessi, divoratori di arte“ (Verspeisen der dynamischen Kunst durch ihre eigenen Zuschauer, die selbst Kunstfresser sind).

Von vielen wurde die Aktion damals gedeutet als religiöser Akt, als eine Art „Kommunion“. Tatsächlich haben Manzonis Arbeiten, wie etwa seine „Base magica“, 1961, jener magische Sockel, auf dem sich jeder, der darauf als lebendige Skulptur stand, in ein von Manzoni attestiertes Kunstwerk verwandelte, etwas Sakrales.

Was sie aber heiligen, ist vielleicht weniger ein Ritus, als vielmehr einen Augenblick. wenn man heute vor der Vitrine mit den Eiern steht und sie mit der Aktion von damals vergleicht, wird das deutlich: als wären sie zu Unrecht dem vergänglichen Moment von damals entkommen, im Lauf der Jahre zu mehr geworden, als das einfache „uovo da consumazione“ gewesen war. Damals wurde mit dem Ei der Augenblick…

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