Titel: Metropolis , 1991

Was Halten Sie von Metropolis?

Vier Documenta-Macher beantworten Fragen

Von Thomas Wulffen

Jan Hoet

Th. W.: Hat für Sie die Ausstellung „Metropolis“ Funktion und Bedeutung?

J.H.: Bei jeder großen Ausstellung freut es mich, auf die Suche zu gehen, um neue Entdeckungen zu machen, neue Vergleiche anzustellen. Das ist für mich immer wichtig. Ob es eine gute oder eine schlechte Ausstellung ist, die erste Instanz ist die Analyse des Werkes, daß man die Arbeit untersucht. Die Weise, wie man eine Ausstellung macht, ändert sich ja bei jedem. Wie die Ausstellung gemacht wird, steht für mich nicht im Vordergrund, weil ich selber ein Ausstellungsmacher bin.

Wenn ich die Ausstellung „Metropolis“ anschaue, dann ist das Ziel sehr publikumsorientiert. Für mein Gefühl ist das zuviel Hollywood, die Außenseite. Zum Beispiel wird Fotografie zu dekorativ benutzt und hat keine körperliche Identität. Darüber hinaus hat man offene Skulpturen mit geschlossenen kombiniert, farbige mit nichtfarbigen. Alles ist sehr ästhetisch, aber auch willkürlich, ohne tiefe Zusammenhänge.

Das ist schade, weil eine Ausstellung sehr verstärkend arbeiten kann für die Kunstwerke. Die Kunstwerke müssen genauso herausgestellt werden wie sie es brauchen, aber nicht um einer Inszenierung willen, sondern dem Werk gemäß. Das Ganze ist mir zu spektakulär, und das Spektakuläre ergibt aus einer Position die sich als erstes mit der Publikumswirkung beschäftigt, aber nicht aus der Realität der Kunst selber das Resultat zu finden bemüht ist. Kunst ist für mich die Reduktion von Spektakel.

Das Spektakel ist auch eine Folge der Architektur des Martin-Gropius-Baus, die belastend wirkt. Es ist sehr schwer, dort eine Ausstellung zu inszenieren. Man ist…

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