Ausstellungen: Berlin , 1999

Jutta Schenk-Sorge

Rémy Markowitsch

»Home is where the heart is«

Galerie Eigen und Art, Berlin, 24.4. – 29.5.1999

Auch Künstler suchen Wohnungen. Ein mühseliges Geschäft, wie die Bilder auf drei Monitoren in ermüdender Endlosschleife dokumentieren. Die schwankende Kamera läßt uns an Rémy Markowitschs Gängen durch Flure und Zimmer leerer Wohnungen teilnehmen. Der in Berlin lebende Schweizer, Jahrgang 1957, macht sich Gedanken über Heim und Herd und die Frage, was oder wo Heimat ist.

Mit seiner Installation, die mit wenigen Requisiten auskommt, verwandelt er die beiden Galerieräume in Bühnenbilder für Emotionen und komplexe Überlegungen zum Thema. So finden sich die erwähnten Monitore unter einer solide gezimmerten Plattform, die ihnen als schützendes Dach einen allerdings recht beengten Unterschlupf gewährt. Die ochsenblutrot gestrichenen Holzbohlen verweisen auf eine traditionelle Berliner Bodenfarbe und erinnern gleichzeitig an Ostasiatisches. Dieses Arbeiten mit Bedeutungsüberblendungen kennzeichnen Markowitschs Strategie. Mit viel Witz setzt er sie auch bei drei „Stehlampen“ ein, die auf der Plattform postiert, Wohnzimmeratmosphäre suggerieren. Ihre Reispapierschirme lassen das Ambiente von Chinarestaurants anklingen, die unterschiedlichen Formen der aufgespießten Lampenschirme (und der Titel der letztjährigen Arbeit des Künstlers „Schaschlick meets Feng Shui“) dagegen lassen an die bekannten Fleischspieße denken, zumal Fotos von Fleischgerichten zum Standardrepertoire des Künstlers zählen. Markowitsch arbeitet immer mit vorgefundenem Material und in diesem Fall sogar mit vorgefundenen Gedanken zum Thema Heim/Heimat. Der Titel der Installation, „Home is where the heart is“, zitiert Frank Zappa. Den weitergehenden intellektuellen Kontext liefert ein Text von Vilém Flusser. In seiner autobiografischen Schrift „Bodenlos“ formuliert der mehrfache Emigrant Flusser seine zwiespältigen Gefühle und analytischen Reflexionen…

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von Jutta Schenk-Sorge

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