Titel: Das Gartenarchiv , 1999

Samm Kunce

Ich bin zehn Minuten von Disneyland entfernt aufgewachsen“, schreibt Samm Kunce: „Unser Reihenhaus mit Rasen und Garten existierte im Niemandsland – eine künstliche Oase an der anderen, wo eigentlich Wüste war. Man könnte fast sagen, daß ich über eine erhöhte Sensibilität gegenüber dem Künstlichen verfüge, weil ich lange glaubte, das sei das Natürliche.“ Das Künstliche, das die New Yorker Künstlerin mit ihren vegetabilen Installationen entwickelt, ist der Artifizialität und Intimität des Treibhauses entliehen.

Das merkliche Verblassen der Differenz zwischen Künstlichkeit und Natur ist ein Thema, dem sich auch „gärtnernde“ Künstler wie Lois Weinberger oder Olaf Nicolai widmen. Im Unterschied zu Nicolai, der seine intendiert musealen Mikrokosmen mit wissenschaftlicher Attitude konstruiert, berufen sich Kunces Rasenvierecke (Field, 1997) oder Salatpflanzen in Holzkisten (Water Culture, 1994), Erdbeeren auf Gestängen (Fort Laramee, 1994) oder Algenbecken (Künstlergärten Weimar, 1999) vielmehr auf Zuchtbeete und damit verbundene Verrichtungen.

Formale Zuweisungen führen auch zum amerikanischen Minimalismus eines Donald Judd oder zu Robert Smithson, besonders wenn hölzerne Kisten oder verspiegelte Ecken ins Spiel kommen. Hier wagen Referenz und Ironie einen Ausflug ins Grüne. Die 1995 für das Aldrich Museum realisierte Arbeit „Grass Grid III“ griff eine beliebte Struktur des Minimalismus auf und setzte sie unter wucherndes Gras. In der Veranda eines Privathauses ausgeführt, mußte das „Grasgitter“, das zwischen den Bodenfliesen wuchs, von seinen temporären Besitzern sowohl betreten wie auch gepflegt werden. An diesem Punkt des Eingreifens in die vegetative Dynamik der Arbeit fordert Samm Kunce zur Interaktion auf – eine Interaktion, die für sie selbst mit dem Einbringen der Saat…

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von Susanne Altmann

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