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Magazin: Kulturpolitik · von Marius Babias · S. 390 - 390
Magazin: Kulturpolitik , 1993

Marius Babias
Selbstzerfleischung vorprogrammiert

Ateliernotstand in Berlin

Bernhard Kotowski, seit Oktober 1991 Atelierbeauftragter beim Bundesverband Bildender Künstler (BBK), Berlin, schlug Alarm. Sein Büro hat seit 1990 einen Verlust von 300 Gewerberaum-Ateliers jährlich errechnet. Demgegenüber konnte der Atelierbeauftragte lediglich 160 Ateliers vermitteln, davon aber nur 70 auf Dauer. Der Gesamtbestand von 1300 sei auf ca. 300 Ateliers zurückgegangen, die Gewerbemiete habe sich in zwei Jahren mehr als verdreifacht von 5 auf 18 DM je Quadratmeter. Ende 1994, so die düstere Prognose, sind bei dieser Entwicklung praktisch keine Ateliers mehr vorhanden. Die schätzungsweise 3500 bildenden Künstler in Berlin verlieren dann ihre Manufaktur. Internationaler Kunststandort Berlin? Nein – danke.

Die bestehenden Atelierhäuser sind gefährdet oder fallen wie reife Früchte. Jüngstes Beispiel: Atelierhaus Schmollerplatz in Treptow. Zum 30. Juni sitzen 24 Künstler auf der Straße, vom Eigentümer Trigon-Gruppe, ehemals Klingbeil, gekündigt. Das Grundstücksamt Kreuzberg verzögert Verhandlungen mit den Atelierhäusern Tempelhofer Ufer und Lindenstraße. Im Künstlergewerbehof Gerichtstraße laufen Ende des Jahres viele Gewerbemietverträge aus.

Die „Arbeitsgruppe Ateliers“ im BBK greift Kultursenator Roloff-Momin hart an. Sein Ateliersoforthilfeprogramm in Höhe von 2,5 Millionen Mark solle von Versäumnissen beim Zuordnungsanspruch auf ehemalige Betriebskulturhäuser gegenüber der Treuhand ablenken. Diese Immobilien stehen nach dem Einigungsvertrag dem Kultursenat ausdrücklich zu, ein Fachvermögen, das die Ateliersorgen erheblich mindern würde. Die AL will diesen Vorwurf in einer großen Anfrage parlamentarisch klären lassen, noch vor der Sommerpause. Man habe bereits eine Reihe von Zuordnungsansprüchen geltend gemacht, bislang ohne Erfolg, heißt es dazu in der Kulturverwaltung.

Auf Antrag der CDU und SPD wurden immerhin die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften angewiesen, „für Künstlerarbeitsstätten…


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