Magazin: Personalien , 1989

Serge Stauffer

Luzern, 1929 – Zürich, 17.Sept.1989

Wer ist Serge Stauffer? Forscher (der die Kunst als die eigentliche Forschung begriff, die der Wissenschaftler nur zu dokumentieren hat), Übersetzer (von Duchamp und Ionesco), Feminist (in steter Auseinandersetzung und Ergänzung mit Doris Stauffer, seiner Frau), Fotograf (gelernter), Lehrer (als Mitbegründer und -Leiter der F+F Schule für experimentelle Gestaltung, die er 1980 wieder verliess), Schrifsteller (mit einer Vorliebe für ephemere Publikationen), Künstler, – alles in der ungefähren Reihenfolge der Dinge, die ich über ihn erfahren habe.

Ich kann vor allem über Stauffer, den Forscher etwas sagen – und ein wenig über Serge, den Menschen, von den viel zu seltenen Malen, die wir uns getroffen haben – anderes muss anderen überlassen bleiben.

In der Forschung suchte er immer die direkte, persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema – nur so war ihm Wissenschaft möglich, nur so schien sie ihm sinnvoll. Deshalb führt eine Auseinandersetzung mit seiner wissenschaftlichen Arbeit ganz selbstverständlich auch zu einer Auseinandersetzung mit seiner Person. Dies tut der „Wissenschaftlichkeit“ seiner Arbeit jedoch keinerlei Abbruch, denn er hat in einzigartiger Weise zutiefst persönlichen Ausdruck mit absoluter Objektivität zu verbinden gewusst.

Obwohl er selbst als Künstler gearbeitet hatte (oder vielleicht gerade deshalb), war er als Kunstwissenschaftler von einer unermüdlichen, unnachgiebigen Präzision. Eine Unterhaltung mit ihm, über ein Gebiet, mit dem er sich befasst hatte, war immer voller Überraschungen. Mit einer Akribie, die mich schon manchmal erschreckte, erzielte er beeindruckende Ergebnisse – die zum Teil meine Vorstellung des jeweiligen Themas völlig veränderte. Dabei präsentierte er diese Ergebnisse (die grossenteils nie veröffentlicht wurden)…

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