Ausstellungen: Köln · von Jürgen Kisters · S. 362
Ausstellungen: Köln , 1991

Jürgen Kisters

Staatsportrait

Galerie Baecker, Köln, 27.4. – 1.6.1991

„Staatsportrai“ lautete das anspruchsvolle Motto, unter das die Galerie Baecker ihre 20jährige Jubiläumsausstellung stellte. Die Galerie wurde 1970 in Bochum eröffnet und wechselte 1983 nach Köln. Hält man einem solchen Themenschwerpunkt im vorhinein bereits die Schwierigkeit der Vollständigkeit zugute, dürfte man mit Spannung erwarten, was 26 Künstler der verschiedensten Staatsbürgerschaft als Charakteristika ihres Staates und der Staatsidee im allgemeinen hervorheben. In Zeiten wiedererblühter deutsch-nationaler Gefühle sorgten einige Arbeiten der Schau für eine zusätzliche aktuelle Brisanz.

Waren in vergangenen Zeiten gerade die Künstler mit der als ehrenvoll eingestuften Aufgabe betraut, das Selbstverständnis des Staates durch ein Monarchenportrait der Gesellschaft zu vermitteln, ist den zeitgenössischen Künstlern von der alten Staatsidee nicht mehr viel übriggeblieben. Zwar noch vom früheren Staatsportrait ausgehend, erweisen die gegenwärtigen künstlerischen Arbeiten zum Thema allesamt nur die Unmöglichkeit, noch ein gültiges Staatsportrait und eine verbindliche Staatsidee zu formulieren. Der traditionelle Staat ist in viele (internationale) Einzelheiten zerfallen und als einheitliches nationales Gebilde verschwunden. In den in der Galerie Baecker vorgestellten Kunstwerken zeigten sich daher ganz unterschiedliche gesellschaftliche Visionen und individuelle Hoffnungen, die mit allerhand geschichtlichen Versatzstücken durchsetzt, aber ohne nationales Pathos sind. In ihnen werden nurmehr persönliche Botschaften vermittelt und kein allgemeinverbindliches Leitbild.

So sind denn auch die alten Staatsattribute (Fahne, Goldrahmen, Zepter, repräsentative Personen und Bauwerke) in den Beiträgen der Ausstellung zu verstaubten Requisiten verblaßt. Königin Beatrix der Niederlande erscheint als Zeitungsbild im prunkvollen Aufzug zwischen kitschigen Lampenarmen und ebenso kitschigen Andeutungen von Bilderrahmen und hinterläßt nur einen Eindruck von Lächerlichkeit. H.A. Schult präsentiert…

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