Ausstellungen: Bonn , 1999

Andreas Denk

Toshio Iwai

»Composition on the Table«

MedienKunstRaum der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, 23.4. – 20.6.1999

1910 instrumentierte Alexander Skrjabin sein „poème du feu Promethée“ (Opus 60) mit einem zweistimmig notierten Farbenklavier. Spätestens seitdem hat sich die Klangkunst des 20. Jahrhunderts immer wieder für die parallele Ton- und Bilderzeugung interessiert. In den zwanziger Jahren war dieser Ansatz besonders virulent: So entwarf der Pianist Alexander Laszlo eine Notation für ein „Sonchromastokop“ genanntes Farblichtklavier. Damals entstanden auch das optophonische Klavier von Wladimir Baranoff-Rossiné und eine Vielzahl anderer Instrumente, die zu Musik Farben erzeugen konnten.

An der Fortsetzung solcher Traditionen mit zeitgenössischen Mitteln arbeitet der Japaner Toshio Iwai (*1962). In früheren Arbeiten hat sich der in Tokio lebende Künstler vor allem in experimentellen Film- und Videoanimationen mit technischen Vorläufern des Kinos wie dem Praxinoskop und dem Zoeskop auseinandergesetzt, indem er deren Idee der Bildanimation mit digitaler Technik kombinierte. Seit 1986 beschäftigt sich Iwai auch mit der Erzeugung von audio-visuellen Systemen, die er mit auf Interaktivität zielenden Techniken verbindet, die für Computerspiele entwickelt wurden.

Seine Installation im MedienKunstRaum der Bundeskunsthalle steht im Rahmen einer Reihe von Projektionen auf „interaktiven“ Tischen, an denen er seit dem vergangenen Jahr arbeitet: Auf zwei freistehenden Tischen hat der Künstler je sechs mal sechs Druckschalter eingelassen, die mit jeweils einem Datenprojektor über den Tischen und einer Wandprojektion verbunden sind. Zwei Programme belegen die „Tastaturen“ mit verschiedenen elektronisch erzeugten Instrumentierungen und Tonhöhen sowie entsprechenden einfachen grafischen Symbolen.

Durch Drücken der Schalter kann der „visuelle Musikant“ in der einfachen Version der Programmierung je nach Gusto…

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