Ausstellungen: Phiadelphia/Seattle · von Jutta Schenk-Sorge · S. 459
Ausstellungen: Phiadelphia/Seattle , 1993

Jutta Schenk-Sorge

Vija Celmins

Institute of Contemporary Art, Philadelphia,6.11.1992 – 17.1.1993

Henry Art Gallery, Seattle, 31.3. – 23.5.1993

Man könnte meinen, daß eine Retrospektive, die so karge Kost verspricht, schnell in repetitive Monotonie umschlägt. Denn die 54jährige Vija Celmins konzentriert sich seit über 20 Jahren auf Variationen von nur drei Motiven: sanft bewegte Meeresoberflächen, steinigen Wüstenboden und Nachthimmel mit Sternen. Nach Fotos entstanden, füllen sie als horizontlose Ausschnitte jeweils gleichmäßig die Bildfläche; ihre Farbskala bleibt auf Weiß über Grauschattierungen bis Tiefschwarz beschränkt. Doch je länger man sich auf diese Werke einläßt, desto stärker fesseln sie die Aufmerksamkeit. Die akribische Naturbeobachtung und geduldige Wiedergabe in Graphit oder Öl, die immer neue Varianten zeugten und Vergleiche herausfordern, provozieren das Wahrnehmungsvermögen des Betrachters. Unter der steigenden Intensität des Schauens entwickeln die Bilder ihrerseits einen eigenartigen Sog, eine fast hypnotische Qualität. Ähnlich wie bei Agnes Martin, mit der sie noch mehr verbindet, entstand Vija Celmins Werk abseits aller Trends. Von 1968 bis Mitte der 80er Jahre bevorzugte die Künstlerin zudem nach heutigen Maßstäben relativ kleinformatige Graphitzeichnungen (ca. 30 x 40 cm oder 50 x 60 cm) und nahm erst in den letzten Jahren die Ölmalerei, verbunden mit größeren Formaten, wieder auf. All das mag dazu beigetragen haben, daß Celmins trotz regelmäßiger Ausstellungen kaum über engere Kunstkreise hinaus bekannt ist. Andererseits werden ihre Arbeiten, die eine gewisse „Sehbereitschaft“ erfordern, um ihr komplexes Potential zu entfalten, gerade von Künstlerkollegen besonders geschätzt. Eine der neuesten, „Night Sky # 5“, 1992, besteht, wie die anderen auch, aus wenig mehr als einer tiefschwarz…

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