Titel: Zur Aktualität des Idyllischen II · von Doris Hildesheim · S. 142
Titel: Zur Aktualität des Idyllischen II , 2006

Doris Hildesheim

Von Arkadien nach Elysium: Eine Gratwanderung mit Friedrich Schiller

Von Arkadien nach Elysium, vom Ursprung der Zivilisation bis zu ihrer Vollendung, will der Dichter Schiller den Menschen führen, „der nun einmal nicht mehr nach Arkadien zurückkann, […].“1 Das antike Arkadien, das Land der singenden und dichtenden Hirten, der Ort höchster Kulturleistung und tiefster Naturverbundenheit galt als Referenzpunkt für idyllische Dichtung von den Griechen bis zu Schillers Tagen. Auf diesen Ort könne sich – so Schiller – Idyllen-Dichtung fortan nicht mehr rückbeziehen, wohl aber solle in einer neuen Art der Idylle ein Ort zukünftiger Seligkeit, Elysium, besungen werden. Schiller verlangt nichts weniger als eine 180°-Wendung der Blickrichtung: Dem Idyllendichter wird der Blick zurück auf das antike Bildmaterial verwehrt. Nunmehr soll er den Blick nach vorne in eine elysische Zukunft richten und im Stil der Idylle einen utopischen, nie gesehenen Ort beschreiben. Retrospektive versus Utopie: Von Arkadien nach Elysium, schlagwortartig stehen sich hier die wichtigsten literarischen ,Idylle-Konzeptionen‘ gegenüber. Eine Überpointierung zum Schillerjahr? Keineswegs, was hiermit zu beweisen wäre.

Die Aktualität von Schillers Aufruf für seine Zeitgenossen ist nur zu ermessen, wenn man sich die Bedeutung arkadischer Idyllendichtung bis in das späte 18. Jahrhundert vor Augen führt. Hier war es der Literatur gelungen, einen vor-christlichen Ort irdischer Seligkeit, einen Ort, der lange vor der Aufklärung für die diesseitige Glücksbestimmung des Menschen zeugte, zu konservieren. Seit Theokrit (ca. 310 – 250 v. Chr.) schrieben die Literaten ihre idyllischen Phantasien in das karge peloponnesische Hochland mit dem Namen Arkadien ein. Allerdings erzählten sie nicht von…

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