Von der Stille bis zum „Brötzen“
Parallelitäten in künstlerischen und musikalischen Entwicklungen nach 1945
von Oliver Zybok
I. Die Idee des Absoluten, oder: Auf der weiteren Suche nach Analogien
Wie Lee Krasner (1908 – 1984), die Frau von Jackson Pollock (1912 – 1956) berichtete, hatte ihr Mann die Angewohnheit, seine Jazzschallplatten „nicht nur tagelang – Tag und Nacht, […] ununterbrochen“ anzuhören, „bis man am liebsten die Wände raufgeklettert wäre!“.1 Auch wenn für ihn der moderne Jazz „das einzig wirklich Schöpferische war, was dieses Land [die USA] hervorgebracht hat“,2 und eine besondere Inspirationsquelle darstellte, lassen sich in seinen Drip Paintings keine direkten Verweise zu dieser Musikrichtung feststellen. Vor allem in der geometrisch oder gestisch orientierten Malereien jener Zeit spiegelt sich aber eine Affinität zur Musik wider, so auch in Deutschland unter anderem in Werken von K. O. Götz [02] (1914 – 2017).
„In der Entwicklung des Bebop und Cool Jazz glaubte ich eine Parallele zur informellen Malerei zu erkennen. Es ist aber nicht so, dass diese Musik mich in meiner Malerei beeinflusst hätte. […] Ich glaube aber, dass damals etwas in der Luft lag, was die verschiedensten künstlerischen Disziplinen prägte, mag man es nun die Auflösung klassischer Formelemente im Rahmen sehr komplexer Strukturen nennen oder sonst wie“, so Götz.3 Dass die Verbindung zur Musik bei den meisten Künstlern lediglich strukturell bedingt war, veranschaulichen in besonderem Maße Blinky Palermos (1943 – 1977) farblich wie formal stark reduzierte Dreiecksvariationen Ohne Titel (gewidmet Thelonious Monk) (1973) [03] und Happier Than the Morning Sun („To Stevie Wonder“) (1975).
Viel analytischer…
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Weitere Nennungen
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