Kommentar , 2016

Zur realmöglichen Apokalypse der kulturellen Vielfalt

Düsseldorf erwartet seinen Kulturentwicklungsplan

Ein Kommentar von Heinz-Norbert Jocks

Ein Countdown der Kunst, derzeit in Gefahr, mehr und mehr von privaten Sammlern mit eigenen Museen totalokkupiert zu werden, kündigt sich an. Die kulturelle Diversität droht verloren zu gehen. Schon deshalb, weil einige Sammler, über mehr finanzielle Mittel verfügen, während die von Städten und Ländern bereitgestellten Etats so schrumpfen, dass das Gefälle zwischen öffentlichen und privaten Museen parallel zur Kluft zwischen Arm und Reich zunimmt. Wünschenswert wäre eine sich ergänzende Balance zwischen beiden Seiten. Die von öffentlicher Hand betriebenen Häuser geraten in eine für die kulturelle Identität nicht nur einer Stadt, sondern des ganzen Landes bedrohliche Schieflage. So werden alle Jahre wieder die nicht unbedingt klügsten Alternativen wie Fusionierung oder Schließung aus den Schubladen gezogen. Dabei wird erst gar nicht die universelle Bedeutung des kulturellen Surplus für die gesellschaftliche Innovationskraft in Betracht gezogen. Statt über den Tellerrand reinen Pragmatismus hinauszublicken, besteht die Neigung, kurzsichtigem Aktionismus zu frönen. Mit dem populistischen Argument, es würden eh nur drei Prozent der Bevölkerung Museen besuchen. Dabei wird der Einfluss übersehen, der das von der Kunst Antizipierte auf andere Gesellschaftsbereiche ebenso hat wie auf das zwischenmenschliche Leben. Wie in Amerika mit seinen von Privatsammlern gebauten Museen, so träumen auch in Deutschland einige von der Amerikanisierung kultureller Verhältnisse, ohne sich des kulturellen Unterschieds und der Gefahren bewusst zu sein.

Die Stadt Düsseldorf hat vor Monaten einen für den Herbst dieses Jahres erwarteten „Kulturentwicklungsplan“ in Auftrag gegeben. Was dabei herauskommen wird, ist ebenso ungewiss wie die…

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