Magazin: Museen & Institutionen , 1993

Sigrid Feeser

150 Jahre Staatsgalerie Stuttgart

Wie die meisten deutschen Museen ist die Staatsgalerie Stuttgart aus einer landesfürstlichen Bildersammlung hervorgegangen. Das am 1. Mai 1843 unter König Wilhelm I. von Württemberg eröffnete „Museum der Bildenden Künste“ an der Oberen Neckarstraße (heute Konrad-Adenauer-Straße) vereinte zunächst königliche Sammlung, Kupferstichkabinett, Kunstschule und die von Johann Heinrich Dannecker zusammengetragene Lehrsammlung von Gipsabgüssen. Den vorhandenen Beständen an alten Niederländern, deutschem Barock und Klassizismus konnten Mitte des 19. Jahrhunderts durch Ankauf der Sammlungen Barbini-Breganze und Karl Gustav Abel mit italienischer bzw. altschwäbischer Kunst neue Schwerpunkte erschlossen werden.

Im Jahr ihres 150jährigen Jubiläums stellt sich die Geschichte der Staatsgalerie auch nach Einschätzung des Hauses dar als eine „Geschichte der Tiefen und Höhen (in dieser Reihenfolge!) der Sammlungspolitik“. Die Abwanderung der weltberühmten Sammlung Boisserée 1827 nach München (wo sie bis heute zum Kernbestand der Alten Pinakothek gehört) ist nur ein, wenn auch vielleicht das bekannteste Beispiel für verpaßte Gelegenheiten. Fruchtbare Ansätze, die Moderne in Stuttgart zu etablieren, blieben nach hoffnungsvollen Ansätzen zu Beginn des Jahrhunderts und in den zwanziger Jahren bald stecken. Erst das 1958 verabschiedete Toto-Lotto-Gesetz, das 1981 durch die Späthsche Museumsstiftung ergänzt wurde, ermöglichte den als „Stuttgarter Museumswunder“ gerühmten Ausbau des Bestandes an neuerer Kunst zu einem der besten in Europa. Was 1959 mit dem (damals) mutigen Ankauf der norwegischen Sammlung Moltzau mit Franzosen vom Impressionismus bis zum Kubismus begonnen hatte, erreichte 1984 mit der Eröffnung von James Stirlings Neuer Staatsgalerie seinen Höhepunkt. Heute, in Zeiten schwindender Prosperität, ist das baden-württembergische Museumsflaggschiff mehr denn je auf das Zusammenwirken von…

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von Sigrid Feeser

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