Biennalen: Biennale Sydney , 1993

Marius Babias

9th Biennale of Sydney

Art Gallery of New South Wales, Bond Store, Artspace Gallery, Mitchell Library, The Australian Museum, Ivan Dougherty Gallery, 15.12.1992 – 14.3.1993

Sydney ist das New York Australiens. Es hat Wolkenkratzer, die weltweit größte Schwulengemeinde nach San Francisco, eine Oper, zwei Kunstmuseen, ein Aborigines-Suburb und ein Goethe-Institut. Vier Millionen Menschen, knapp ein Viertel der Gesamtbevölkerung, leben hier. Der Zwiespalt zwischen amerikanischer Kaugummikultur und britischer Steifheit prägt ihre Psychologie und ihr um internationalen Anschluß bemühtes Kulturleben. Der Rest Australiens, von Melbourne abgesehen, besteht aus Schafs- und Rinderzüchtern. Mit anderen Worten: Sydney ist eine Weltstadt, in der man keine internationalen Zeitungen bekommt. Oder mit einwöchiger Verspätung. Dafür hat die einstige Straflagerkolonie andere Vorzüge: abwechslungsreiche Küche, saubere Badestrände, idyllische Buchten und ein mildes Klima.

Anders als Amerika ist Australien kein Schmelztiegel der Nationen geworden. Die Einwanderer bleiben unter sich und pflegen gegenseitige ethnische Vorurteile. Die Kunstszene ist vierundzwanzig Flugstunden von Europa entfernt. Galerien können sich internationale Kunst schon aufgrund der teuren Fracht kaum leisten. In der öffentlichen Sammlung des Museum of Contemporary Art in Sydney oder der National Art Gallery in Canberra werden Auflagenobjekte von Beuys, Richter oder Trockel wie originale Preziosen präsentiert. Australische Künstler und Kuratoren beziehen ihre Informationen vorwiegend aus Kunstzeitschriften und Katalogen – also aus zweiter Hand.

Um so höher waren die Erwartungen der kleinen Kunstgemeinde vor Ort an die Biennale, sie möge nicht nur die insulare Isolation verkürzen, sondern die Kunstdiskussion interkontinental anheizen. Doch im Zeitalter globaler Abrüstung mißriet die größte Kunstausstellung Australiens zum Spätzünder.

Der Auswahl und Inszenierung…

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von Marius Babias

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