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Köln: Finanzprobleme

Zum fünften Geburtstag kann das Kölner „Wallraf-Richartz-Museum/Museum Ludwig“ eine stolze Bilanz vorweisen: Rund viereinhalb Millionen Besucher sahen in diesem Zeitraum die Dauerpräsentation und die 78 Wechselausstellungen. In den Jubel der Stadtväter über dieses „Doppelmuseum der europäischen Spitzenklasse“ mischen sich aber auch Befürchtungen: Rund 150 Mill. DM Haushaltsdefizit hat der Stadtkämmerer für das kommende Jahr ausgerechnet. Das darauf von CDU und SPD gemeinsam im Rat eingebrachte Konzept zur „Haushaltskonsolidierung“ kommt nicht um Vorschläge zur Einsparung herum. Insider des Kölner Kulturbetriebs mutmaßen, daß künftig sämtliche Leistungen, die die Stadt bisher freiwillig erbracht hat, drastisch zurückgefahren werden. Der Rotstift dürfte aber nicht nur bei den freien Kulturinitiativen, sondern auch bei kommunalen Instituten angesetzt werden. In den verwaltungsinternen Überlegungen scheint es jedenfalls keine Tabus zu geben, will man dem glauben, was bislang durchsickerte und Gegenstand von allerlei Spekulationen ist. So dürften die von den Museumsleuten dringend gewünschten Erweiterungsbauten für das Museum für Ostasiatische Kunst, das Schnütgenmuseum für christliche Kunst, des Stadtmuseums sowie der Neubau des Rautenstrauch-Joest-Museums für Völkerkunde politisch kaum noch durchsetzbar sein. Neue Jobs für Kunsthistoriker und Museumspädagogen gäbe es in Zukunft wohl auch nicht mehr, denn an einer „Einfrierung“ des Personalbestandes führt über kurz oder lang kein Weg vorbei, und dies gilt sicherlich auch für die personelle Betreuung der Stadtteilkultur. Ein teurer Spaß war bislang auch die Josef-Haubrich-Kunsthalle: Ob hier noch eigene Ausstellungen mit entsprechender wissenschaftlicher Betreuung möglich sein werden, steht in den Sternen. Billiger ist es jedenfalls, die Halle verwaltungstechnisch zu einer Dependance des Museums Ludwig zu machen.

Lieblingskind der Kölner…

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