Gespräche mit Künstlern · von Heinz-Norbert Jocks · S. 266
Gespräche mit Künstlern , 1991

Jean Tinguely:

„Ich beschäftige mich mit dem Tod, um ihn zu bekämpfen.“

Ein Gespräch von Heinz-Norbert Jocks

Jean Tinguely, am 22. Mai 1925 als Sohn eines Schokoladenpackers im schweizerischen Fribourg geboren, starb am 30. August in Bern an den Folgen eines am 18. August erlittenen Schlaganfalls. Zweisprachig in Bern aufgewachsen, wo er sich als Schaufensterdekorateur in einem Warenhaus verdingte, nebenbei sporadisch die Kunstgewerbeschule besuchte, begeisterte er sich für das Werk Kurt Schwitters und Paul Klees. Überhaupt tendierte er zum Extremen. So beschäftigte er sich am Kriegsende mit den Schriften von Marx und Trotzki, um sich dann als parteiloser Dauerindividualist zum Anarchismus zu bekennen. Er begann, inspiriert von Alexander Calder, bewegliche Konstruktionen aus Holz, Draht, Papier und Metall zu bauen, ehe er sich 1952 für Jahre in Paris niederließ. Dort befreundete er sich mit Daniel Spoerri und Yves Klein, lernte schließlich Niki de Saint-Phalle, seine Lebensgefährtin und zweite Frau, kennen, die ihn in seiner Kompromißlosigkeit als Künstler unterstütze. Auf Schrottplätzen fand er das Material für seine kompliziert gebastelten Maschinen-Skulpturen. Anfangs stießen diese auf harten Widerstand. So wurde er nach seinem Umzug mit beweglichen Skulpturen am 13. Mai 1960 auf dem Boulevard Raspail wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses verhaftet. „Seine Arbeit ist einer revolutionären Handlung verwandt“, notierte Peter Weiß, der Ästhetiker des Widerstands, damals. Im gleichen Jahr unterschrieb er die Gründungsurkunde des „Neuen Realismus“ und inszenierte in New York vor dem Museum of Modern Art die Selbstzerstörung…

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