Monografie · von Jürgen Raap · S. 290
Monografie , 1991

Verblindung

Jürgen Raap über Volker Hildebrandt

Concetto triviale“ (1991) besteht aus einer schwarz bemalten Leinwand, die als ironischer Reflex auf Fontana mit kleinen Löchern durchstoßen wurde. Wenn man diese Arbeit vor einen eingeschalteten Farbfernseher stellt, bleiben von der optischen Programmemission nur noch nahezu kitschige Lichtspiele übrig: ein Aufblinken bunter Punkte in ständigem Wechsel von Konzentration und Streuung der Farbe, je nachdem, wie die wenigen noch sichtbaren, jedoch ihres Informationsgehaltes beraubten Teile bzw. „Reste“ der Sendung durch diese Löcher hindurchscheinen. In ähnlicher Weise hat Volker Hildebrandt auch den Bildschirm eines Schwarzweißgerätes mit Acrylfarbe bemalt; durch diese gemalte Struktur mit schwarzen, weißen und grauen Punkten dringt an den „Leerstellen“, an denen die Farbe nicht völlig deckt, helles Flimmern hindurch.

Der Einsatz von Farbe geschieht in allen Werkphasen Hildebrandts nicht nach malerischen, sondern nach konzeptuellen Fragestellungen, die in das künstlerische Bestreben münden, „universell gültige visuelle Strukturen zu finden und darzustellen“. Diese korrelieren immer mit der Geschwindigkeit bzw. der Zeitdauer der Wahrnehmung, und in der ersten Hälfte der achtziger Jahre führte Hildebrandts Auslotung von „Zeitfragen“ zunächst zu „Spiralbildern“, in denen stellare und zyklische Bewegungen eingefangen wurden. Ein Bruch in der künstlerischen Entwicklung um etwa 1984 veranlaßte ihn, für rund anderthalb Jahre der Malerei völlig zu entsagen und statt dessen nur noch Messingschildchen mit eingravierten Bildtiteln zu produzieren. Rein zufällig und verblüffenderweise häuften sich dabei aus der TV-Kultur wohlbekannte Reizworte wie „Sendepause“, „Bildausfall“ oder „Störung, wir bitten um etwas Geduld“.

Konnte es auf der Ebene persönlicher Befindlichkeit und der Ebene individueller Sozial- und Medienerfahrung tatsächlich einen psychokulturellen Zusammenhang geben…

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