Ausstellungen: Wien/Paris · von Jochen Becker · S. 382
Ausstellungen: Wien/Paris , 1994

Jochen Becker

Archigram

»Experimentelle Architektur 1961-74«

Kunsthalle Wien, 11.2. – 1.5.1994

Centre Georges Pompidou, Paris, 29.6. – 29.8.1994

Beide Austellungshäuser – in Wien ein temporärer Containerbau mit hindurchgezogener Fußgängerröhre, in Paris die technoide Umstülpung des funktionalen Gedärms nach Außen – bieten nützliche Resonanzkörper für die Präsentationen der experimentellen Architektengruppe Archigram. Die britisch-kalifornische Konzepteschmiede mit „internationaler Signalwirkung“ wurde nach ihrem Fanzine-gleichen Zentralorgan benannt, dessen comic-artig gestalteten, kleinformatigen und im anti-repräsentativen Offsetdruck multiplizierten Seiten nun das Entree der Wiener Präsentation bilden. Im historischen Umfeld maßloser James-Bond-Setdesigns, des animierten Beatlesfilms „Yellow Submarine“ oder der futuristischen Plastikwelt von Roger Vadims „Barbarella“ pflegten sie ihr „Mißtrauen gegenüber endgültiger Architektur“: Lernen vom Science Fiction.

Die Männer der von Anfang der 60er bis in die Mitte der 70er Jahre bestehenden Archigram-Gruppe nutzten die City als „Mantel für viele unserer Ideen“. Ihre Entwicklung weg von der Notwendigkeit des Gebauten über den Vorschlag ineinanderfügbarer Bauteile hin zu experimentellen Studien führte zur Optimierung des Ausstellungs-Designs und ihrer collagierten Pop-Entwürfe. Doch realisiert wurden ihre Exposés nicht ein einziges Mal. Selbst der 1970 erstplatzierte Entwurf für ein multifunktionales Unterhaltungszentrum mittels koppelbarer Module in Monte Carlo skizzierte die Versenkung innerhalb der Landschaft, wie sie dann ansatzweise Günter Behnisch im Münchner Olympiapark verwirklichte. Uneingelöst blieb jedoch Archigrams weitreichende Forderung, die flexiblen Dienstleistungen der faktischen Architektur gleichzustellen, da erst ein erfolgreiches Programmanagement dem Gebäude zur vollen Funktion verhelfen würde.

Hat man die Auslage der insgesamt neun erschienenen Archigram-Ausgaben durchwandert, öffnet sich der Raum zur „Arena“: Entspannt auf dem abgeschrägten Boden sitzend, umgibt den Besucher der Kunsthalle eine zwischen Nostalgie und Einführungsdidaktik pendelnde…

Kostenfrei anmelden und weiterlesen:

  • 3 Artikel aus dem Archiv und regelmäßig viele weitere Artikel kostenfrei lesen
  • Den KUNSTFORUM-Newsletter erhalten: Artikelempfehlungen, wöchentlichen Kunstnachrichten, besonderen Angeboten uvm, jederzeit abbestellbar
  • Exklusive Merklisten-Funktion nutzen
  • dauerhaft kostenfrei

L_Test-Zugang