Magazin: Galerien & Auktionshäuser · von Peter Herbstreuth · S. 420
Magazin: Galerien & Auktionshäuser , 1994

Peter Herbstreuth

Berliner Galerien ändern die Blickrichtung

Vor einiger Zeit meinte der Leiter des DAAD, Joachim Sartorius, bildende Kunst sei auf Geld, Mäzene, Banken und ein funktionierendes Verbundsystem aus Museen, Galerien, Sammlern, Kuratoren, Kritikern angewiesen und beklagte, daß dieses Netz in Berlin nicht existiere. Im Rhein-Main-Gebiet schien dies zu funktionieren. Aber für Berlin kann der Kölner Raum kein Vorbild sein. Es fehlt an nicht einholbaren Voraussetzungen. Selbst wenn Berlin mit neuem Geld überschwemmt würde, es fehlt das alte Geld und was damit zusammenhängt. Es gibt keine Sammlerfamilien, die traditionsgemäß Einfluß ausüben, keine alteingesessenen Autoritäten, die durch ihre Lebensart, ihren Charme, ihre Verlogenheit eine stumme Referenz für Künstler und Galeristen bilden. Und es gibt nur wenige Treuhänder, Investoren, Abschreibungsinitiativen, die ihr Kapital in Galerien fließen lassen. Kunst ist kein unangefochtenes Statussymbol mehr.

Zwar wenden sich Galerien für zeitgenössische Kunst weiterhin an Kuratoren und Sammler, ihr Überleben hängt jedoch von Kreditberatern und Auktionsergebnissen ab. Kommissionsgeschäfte und Kapital, das nicht aus dem Ausstellungsbestand erwirtschaftet wurde, sichern das Bestehen. Nicht der Ausstellungsraum, sondern das Büro ist der entscheidende Ort einer Galerie. Dennoch hegen Berliner Galeristen hochgespannte Erwartungen. Berlin hat keinen status quo zu verteidigen. Durch den Generationswechsel und die nach dem Hauptstadtbeschluß neu eröffneten Galerien dominiert insgesamt der Wille das phlegmatische Klima abzuschütteln. Gerade weil es keine starren Hierarchien gibt, hoffen viele auf Chancen. Diese liegen weniger in der Etablierung einer Sammlerkultur als in den Möglichkeiten, die die größte Baustelle der Welt langfristig bieten wird. Wer Vertreter der Unternehmenskultur zum Kundenstamm zählt, blickt in eine freundliche Zukunft….

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