Gespräche mit Kunstvermittlern · von Susanne Boecker · S. 426
Gespräche mit Kunstvermittlern , 2002

Biennale ist ein Format.
Das kann man füllen.

„CENTER OF ATTRACTION“, DIE 8. BALTISCHE TRIENNALE FÜR INTERNATIONALE KUNST IN VILNIUS

SUSANNE BOECKER IM GESPRÄCH MIT DEM KÜNSTLERISCHEN LEITER TOBIAS BERGER

Susanne Boecker: Wurde die Baltische Triennale schon vorher von ausländischen Kuratoren kuratiert?

Tobias Berger: Nein, ich bin der erste ausländische Kurator. Dazu ist es wichtig zu wissen, dass Litauen bis 1990/91 Teil der UDSSR war. Jede zweite oder dritte Ausstellung lief seinerzeit unter dem Label „Biennale“ oder „Triennale“. Man verstand in der Sowjetunion dort unter „Biennale“ etwas ganz anderes als hierzulande. Es gab Grafikbiennalen, Posterbiennalen, Keramikbiennalen. Jede größere Ausstellung hatte diesen Titel. Es musste ja geplant werden und das ging mit immer wiederkehrenden Ausstellungen wohl am besten. Und weil dieser Bezeichnung der Mief der Sowjetzeit anhaftete, wurden die meisten dieser Ausstellungen nach den Umbrüchen 1992 abgeschafft. Die Veranstaltung, die ich jetzt fortführe, wurde 1979 als „Baltische Triennale für Junge Kunst“ gegründet und war immer ein Ort, an den auch ausländische Künstler geladen wurden, und wo junge Avantgardekunst gezeigt wurde. Die Ausstellung gehörte zu den wenigen künstlerischen Freiräumen in der Sowjetunion. Diese Offenheit hat sie sich bewahrt: Die letzte Ausstellung, 1997 kuratiert von Kestutis Kuizinas, dem Direktor des Contemporary Art Centers, hieß „Cool Places“, und zeigte Künstler der baltischen Region (Island, Skandinavien, baltische Staaten, Polen). Jetzt wollte Kuizinas die Ausstellung noch weiter internationalisieren, auch um sich ein wenig von den Skandinaviern zu befreien, die in den baltischen Staaten sehr präsent sind. Fast alle großen Firmen in Litauen gehören inzwischen Skandinaviern. Die Öffnung der Triennale…

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