Titel: Documenta11 , 2002

Langsamer Ausbruch aus dem Elfenbeinturm

EINE SKIZZE DER DOCUMENTA 1 BIS 11 – VON AMINE HAASE

Okwui Enwezor, der künstlerische Leiter der Documenta11, betonte immer wieder während der Vorbereitung in Kassel, dass die Geschichte der Documenta ihn und seine Co-Kuratoren-Crew beschäftige, dass dieses einzigartige Kunstprojekt in seiner historischen Dimension in die Diskussionen einfließe. Er bezog sich noch bei der Pressekonferenz zur Eröffnung der Documenta11 am 6. Juni auf die erste Documenta von 1955 – damals sei eine Zeit des „Umbruchs“ gewesen, genau wie heute. Und immer wieder lobte Enwezor die documenta 5, die Harald Szeemann für 1972 in Kassel einrichtete – und die als die „eigentliche 68er-Documenta“ gilt. In dieser Spannweite ist ein Blick auf die Geschichte der Documenta aufschlussreich. Es begann mit einer persönlichen Initiative, mit persönlichem Engagement – das schnell zum Anliegen der Stadt Kassel, des Landes Hessen und der (Nachkriegs-)Bundesrepublik Deutschland wurde. Initiator war der Kasseler Künstler und Akademie-Professor Arnold Bode. Er konnte mit seiner Begeisterung sowohl Privat-Sponsoren als auch öffentliche Geldgeber anstecken – und vor allem den Kunsthistoriker Werner Haftmann, der die theoretischen Leitlinien der Ausstellung vorgab. Für Arnold Bode ging es in erster Linie darum, seine zerstörte Heimatstadt Kassel wieder den Anschluss an das europäische Kulturleben finden zu lassen. Die günstige Gelegenheit war die Bundesgartenschau, die 1955 in Kassel stattfand. Die junge Bundesrepublik konnte zeigen, was sie – ganz in der Nähe der Grenze zur damaligen DDR – unter „westlicher Zivilisation“ verstehen wollte, und zwar nicht als staatliche Verordnung, sondern als private Initiative. Das gab der ersten…

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