Ausstellungen: Berlin · S. 126
Ausstellungen: Berlin , 1983

Bühnenzauber und Traumwelt

Retrospektive Alexander Camaro

Er ist ein Maler der ersten Stunde, der sich unmittelbar nach 1945 am kulturellen Wiederaufbau beteiligt. Bei Kriegsende 44 Jahre alt, ist der aus Breslau gebürtige Alexander Camaro Angehöriger einer Generation, die entscheidende Jahre ihres Lebens einer Diktatur opfern mußte. Zuerst Schüler von Otto Mueller, mit dem ihn Züge des Umherschweifens und ein Hang zur Melancholie verbinden, dann Leiter einer eigenen Malschule, zieht es Camaro schon früh zu Theater, Cabaret und Variete. Er erhält eine tänzerische Ausbildung bei Mary Wigman in Dresden und arbeitet danach an der Bühne. Auf diese Weise kann er auch die Zeit der Nazi-Herrschaft durchstehen, während der er Malverbot erhält. Bombenangriffe und Auslagerung vernichten fast sein ganzes frühes Werk.

Mit dem Zyklus des „Hölzernen Theater“, bestehend aus 19 Gemälden aus dem Jahre 1946, wird er schnell bekannt und im Jahr darauf veranstaltet er seine erste Einzelausstellung in der legendären Galerie Gerd Rosen am Kurfürstendamm. Seitdem hat Camaro, der von 1951 bis 1975 an der Berliner Hochschule der Künste unterrichtet, ein umfangreiches malerisches Werk geschaffen, das der Neue Berliner Kunstverein vom 3. September bis zum 12. Oktober in der Staatlichen Kunsthalle zeigt (Katalog mit Beiträgen vom Künstler selbst, Lucie Schauer, Ursula Prinz, Jörn Merkert und Ernst Schröder, 20 DM).

Camaro, den Franz Roh einmal als „entkörperlichenden Poeten“ bezeichnete, der aber gelegentlich auch zum „flauen Zeichensetzer“ neige, zeigt in seinem Werk eine auffallende Kontinuität sowohl im Formalen als auch im Motivischen. Die von Max Beckmann für sich konstatierte „Blindheit“ für „viele Dinge des realen und politischen…

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