Ausstellungen: Berlin , 1983

„Sieg über die Sonne“ und Wladimir Baranoff Rossiné

Die diesjährigen Festwochen in West-Berlin standen im September/Oktober unter dem allgemeinen Titel Symbolismus/ Futurismus, bezogen sich aber auf Aspekte der russischen Kunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit Ausblick auf die Zeit nach der Oktoberrevolution. Die bildende Kunst geriet dabei etwas in den Hintergrund, was mit konzeptionellen oder technischen Problemen, sicher aber auch mit den damaligen Bestrebungen zur Synästhesie und zum Universalkünstler zusammenhängen mag. Deshalb fanden zahlreiche Konzerte mit futuristischer Musik statt und futuristische Theaterstücke wurden aufgeführt.

Höhepunkte waren die leider nur wenige Tage angesetzten Stücke ,,Sieg über die Sonne“ und „Bilder einer Ausstellung“. Ersteres ist ein Gemeinschaftswerk von A. Krutschonych (Text), M. Matjuschin (Musik), K. Malewitsch (Bühnenbild und Kostüme} und W. Chlebnikow (Prolog) und versteht sich als futuristische Oper. Die Uraufführung im Petrograder Lunaparktheater von 1913 verursachte damals einen großen Skandal. Die jetzige Aufführung ist eine Rekonstruktion durch eine Künstlergruppe aus Los Angeles. Die „Bilder einer Austeilung“ basieren auf der bekannten Musik von Modest Mussorgski von 1874 und deren Inszenierung für die Bühne durch Wassili Kandinsky, die 1928 im Friedrich Theater in Dessau erstmals zu sehen war. Beide Stücke sind seit dem Jahr ihrer Entstehung nicht mehr aufgeführt worden.

Die Ausstellung, der der Titel der Oper „Sieg über die Sonne“ als Leitmotiv vorangestellt wird, präsentiert sich in der Akademie der Künste im Saal 3 als dicht gedrängte Rauminstallation mit Kabinettcharakter. Die liebevolle Inszenierung mit lamellenartigen, gegeneinander versetzten und verschiedenfarbigen Stellwänden und Vitrinen umfaßt hunderte von zumeist kleinformatigen Exponaten wie Fotos, Zeichnungen und Bücher und…

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