Titel: Zwischenbilanz I - Gemeinschaftsbilder · S. 83
Titel: Zwischenbilanz I - Gemeinschaftsbilder , 1983

Summarische Nachbemerkung

Die Gemeinschaftsbilder der Jungen Deutschen bringen einen sozialen Aspekt in die Diskussion um die Neue Malerei. Er zeigt, daß das Neue nicht nur als „Idee“ bei einzelnen Künstlern auftaucht, sondern, daß es zur Institution geworden ist, die verschiedene Künstler miteinander verbindet. Der Halt in der gemeinsamen Produktion war sicherlich ursprünglich ein Reflex auf die unabgesicherte Entdeckung veränderter Möglichkeiten in der Kunst. Die Gemeinschaft gab die Kraft, bestehenden Malerei- wie Kunstpositionen zu opponieren. Doch von diesem Ausgangspunkt haben sich die Künstler zunehmend entfernt. Die Zusammenarbeit begründet einen eigenen Wert und trägt zur Aneignung eines veränderten Bildbegriffes bei. Die hier vorgestellten vier Beispiele, die durch weitere – z. B. die Gruppe „Normal“ – ergänzt werden könnten, sind dabei durchaus als exemplarische Belege zu sehen. Sie verdeutlichen die Spannweite, die in kollektiven Produktionen zu erreichen ist.

Vor dem Hintergrund der bisher geführten Diskussionen wird deutlich, daß die Neue Malerei weder mit einem nivellierenden Konzept „des Wilden“ noch mit dem einer „Neuen Subjektivität“ zusammenfällt. Das Bild als „Dazwischen“ wird vielmehr zum Ort einer Ungewißheit, die – in den extremsten Formulierungen – bis zur Frage nach dessen Legitimation vorstößt. Dahinter steht eine Erfahrung, die sich auch in anderen Bereichen der zeitgenössischen Kunstproduktion und des aktuellen Denkens andeutet. Der Hinweis auf Nähen zu philosophischen Positionen etwa von Deleuze, Guattari, Foucault, Lyotard ist schon häufig gemacht worden. Er verknüpft den Blick auf die Malerei mit Umbrüchen in der Episteme.

Rücken wir dagegen den sozialen Aspekt der Gemeinschaftsbilder stärker in den Vordergrund, so können wir die Innovationen im Gesamt…

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