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Ausstellungen: Mönchengladbach · S. 304 - 304
Ausstellungen: Mönchengladbach , 1985

Peter Winter
Clegg & Guttmann

Galerie Löhrl, Mönchengladbach, 9.6. – 1.9.1985

Vor dunklem Hintergrund posieren ernste, undurchsichtig dreinschauende, äußerst korrekt gekleidete Herren: einzeln, als Doppelbildnis oder in altmeisterlich arrangierten Gruppen. Die Köpfe und Halbfiguren erscheinen in einem Ambiente, das Assoziationen zu holzgetäfelter

Bibliothek, Gerichtssaal und neogotischer Kapelle weckt. Die kalte, äußerst artifizielle Atmosphäre, der möglicherweise zwischen Bankier und Mafioso changierende soziale Status der Protagonisten, die Divergenz ihrer Blickrichtung und die preziösen Handstellungen erzeugen ein Klima des Geheimnisses und der einbalsamierten Starre.

Die beiden jungen New Yorker Foto-Künstler Clegg und Guttmann betreiben mit ausgetüftelten Farbvaleurs und räumlicher Montage-Raffinesse auf fast wandbildgroßen Hochglanzabzügen ein perfektes, professionelles Spiel der Irritation und der versteckten, doppeldeutigen Bezüge. Dieses vornehm ausgestattete Wachsfigurenkabinett mit den “lebenden Bildern” führt eine sterile, arrogante Männergesellschaft vor, ein fiktives Machtkabinett der versteinerten Empfindungen und Gesten. Entworfen sind diese teilweise collagierten Tableaus nach den Regeln der Konzept-Kunst, nach den Methoden präzise kalkulierter Gestaltung, die mit Anspielungen und Zitaten aus der Kunstgeschichte, mit Augenzwinkern zu Literatur, Film und Theater operiert.

Gesellschaftliche Stereotypen, Medienklischees und eine gute Portion Zynismus, ein Hauch von Totenkammer und Schattenkabinett, von Loge und Geheimbund vereinen sich in den glänzenden, scheinbaren Auftragsarbeiten des amerikanischen Duos, das ganz nebenbei noch die Imponier-Attitüden der Hoffotografie, die eitlen, hochdotierten Prominenten-Konterfeis und die gewichtigen, dickrahmigen Glanzlichtmienen aus den Vorstandsetagen der Konzerne ironisiert.

“Unsere Arbeiten sind so durchgehend “überschattet”, daß es etwas mit uns zu tun haben muß. Teilweise hat es mit der Dunkelheit der Arbeiten selbst zu tun, einer “altmeisterlichen” Dunkelheit. Anfangs war es das Ergebnis technisch begrenzter Möglichkeiten; später…


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