Monografie , 1985

Maria Lassnig

Auszüge aus den Texten des Kataloges

(…) Maria Lassnig arbeitet, nachdem sie mit tachistischen Formen begonnen hat, seit den sechziger Jahren als weibliche Künstlerin, nicht aber als Feministin, mit der Umsetzung von transzendierten, psychisch empfundenen Darstellungen von Körperausdruck, von Seinsmöglichkeiten des Körpers. Sie verwirklicht innere Visionen ihrer selbst, die auf dem Körperkontakt zwischen Künstlerin und Bild beruhen. Ihre psychischkörperlichen Bilder basieren in ihrer Historizität auf den Körpererfahrungen von Egon Schiele. Dennoch stellen sie sich heute völlig anders dar als zur Zeit der Monarchie. Sie scheinen zuerst aller gesellschaftlichen Provokation fern zu sein, sie unterliegen einem überzeugenden Subjektivismus ohne spektakuläres Element. Sie sind quasi körperliche Meditation in Form von Blicken, Derivate einer verinnerlichten Selbstbefragung. (…)

Maria Lassnig und Arnulf Rainer sind die österreichischen Künstler, die quasi par excellence alle Stadien österreichischer Kunst durchlebt, sie forciert, sie bestimmt haben. Wenige bemerken, daß diese beiden Künstler, wenn auch auf ganz unterschiedliche Art, für die Künstler der Republik Österreich einen sozialen und ästhetischen Freiraum geschaffen haben, den die jüngeren heutigen wie selbstverständlich akzeptiert haben. In einem Land, das zu einer sehr traditionellen Ästhetik neigt, haben Lassnig und Rainer die Widersprüche aufgebaut und die Widerstände durchbrochen, die mit dem Aufbrechen einer normativen Ästhetik bezeichnet werden können.
(…) Aus dem Vorwort von Dieter Ronte.

(…) Maria Lassnig hat ein großes Thema: das ist sie selbst. Ihre Kunst ist ichbezogen, sie ist egozentrisch. Die überwiegende Mehrzahl ihrer Arbeiten sind Selbstporträts, oft auch diejenigen Werke, die andere Titel tragen. Es sind allerdings Selbstporträts, bei denen die Physiognomie bloß eine partielle…

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