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Ausstellungen: Berlin · S. 296 - 296
Ausstellungen: Berlin , 1985

Thomas Wulffen
Jochen Gerz

Neuer Berliner Kunstverein, bis 13.4.1985

Vielleicht ist das Sprechen über Kunst nur so möglich: in Andeutungen, Verweisen und Bildern. Der analytische Diskurs hat sich erschöpft, weil er sich entweder nur noch selbst reproduziert oder dem Werk nicht mehr gerecht wird. Der Neoexpressionismus hat diese Diskrepanz nur verschärft, auch wenn in ihm die Maler mal wieder ihre Sprache verloren haben und die Funktion der Kritik restauriert wurde. Ähnlich den Künstlern, die schon Vorhandenes wieder aufgriffen, konnten auch die Kritiker alte Sprachgewalten wiederbeleben.

Auf der Folie dieses Umbruchs ist auch eine neue Arbeit von Jochen Gerz zu lesen und zu sehen. Scheinbar einfach ‘Von der Kunst’ handelnd, rettet sie Bedeutung wieder, die verloren schien. Die acht Tafeln gehen zurück auf eine Diskussion zwischen Robert Kudielka, Ästhetikprofessor an der Berliner Hochschule der Künste, und Jochen Gerz, der zu dieser Zeit 1982/83 eine Gastprofessur an der Hochschule hatte. Die Diskussion war dem Thema ‘Die Kritik der Kreativität’ gewidmet. Geblieben davon sind nur Andeutungen und die Dialogform der Texte. Aber wer Fragen und Antworten, eine im üblichen Sinn gewohnte Diskussion erwartet, wird enttäuscht. Auf einer ‘poetischen’ Ebene umkreisen die Texte mehrere Problemkreise, die sich kaum eindeutig benennen lassen. Ihr offensichtlichster Gegensatz zu früheren Foto-Text-Arbeiten ist aber dennoch in der Dialogform gegeben. Waren frühere Texte der Beschreibung eines Zustands, einer Situation gewidmet, der Literatur sich annähernd, denen die Fotos eine zusätzliche Dimension verliehen, indem sie das Geschilderte durch Bilder konkretisierten, ist in der Arbeit ‘Von der Kunst’ die Form sehr viel offener. Lag in den…


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