Gespräche mit Kunstvermittlern , 1989

Martin Kunz

Das Museum als Trittbrett für den Kunstmarkterfolg

Ein Gespräch mit Christoph Doswald

Wieder einmal hat die Ausrichtung der schon seit längerem umstrittenen Weihnachtsausstellungen in der Schweiz zu heftigen Kontroversen geführt. Nachdem in Luzern die Ausstellungskommission die Mehrheit der eingereichten Werke als ungenügend befand und sich Martin Kunz, der Leiter des Kunstmuseums Luzem, in seiner Ansprache kritisch zur Qualität der Innerschweizer Kunstlandschaft äußerte, brach ein Sturm der Entrüstung seitens der Künstlerschaft über den langjährigen Kurator herein. Kurz darauf reichte Kunz seinen Rücktritt ein und gab sein Engagement für eine neugeschaffene Kunsthalle in New York bekannt. Grund genug für Christoph Doswald, mit dem Ausstellungsmacher abseits der von Polemik und Emotionen geprägten Diskussion über die Situation der Kunst im schweizerischen Kontext und die Rolle des Museums und des Kurators zu sprechen.

C.D.: Wenn man Ihre Bestandsaufnahme der Schweizer Kunst liest, die Sie 1983 verfaßt haben (Situation Band 63/64), stellt man sich nach Ihrem Rücktritt in Luzern und der damit verbundenen „Schelte der Schweizer Kunst“ die Frage, inwiefern sich Ihre Haltung gegenüber der hiesigen Kunstlandschafi geändert hat oder ob umgekehrt vielleicht die Schweizer Szene qualitativ nicht mehr den Ansprüchen eines Museums genügt?

M.K.: Grundsätzlich muß ich festhalten, daß mein Rücktritt nicht in direktem Zusammenhang mit den Ereignissen der Luzerner Weihnachtsausstellung noch mit der Entwicklung der Schweizer Kunst ganz allgemein steht. Im Hintergrund steht vielmehr die Problematik der Ausstellungstätigkeit an einem Museum und im speziellen an einem Provinzmuseum, über die ich mir schon seit längerer Zeit Gedanken machte. Die Auseinandersetzungen anläßlich der Weihnachtsausstellung waren schließlich nur der Anlaß,…

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