Gespräche mit Künstlern , 1999

Boris Becker

»Den Blick in die Weite liebe ich wie überhaupt Aussichten«

EIN GESPRÄCH VON HEINZ-NORBERT JOCKS

Boris Becker, 1961 in Köln geboren, Becher-Schüler in der zweiten Generation, ist, wenn er sich mit der Kamera auf die Bildsuche begibt, mehr auf formale Strukturen und Farbakzente denn auf die schönen Schlüsselreize von Stadt- und Naturansichten konzentriert. Im Grunde handelt es sich um eine eher nüchterne und ernüchternde Fotografie, die so etwas wie Grundlagenforschung unseres Sehens betreibt, ohne dabei den direkten Dialog mit der Malerei, insbesondere der monochromen, zu beabsichtigen. Was an seiner gegengängigen Art der Erfahrbarkeit von Welt irritiert, ist das plötzliche Umkippen von dem, was konkret sichtbar ist, in abstrakte Ortlosigkeit. Wichtig ist hier nicht mehr, was wann wo aufgenommen worden ist, sondern wie das im Ausschnitt Gesehene als autonomes, mit der Realität nicht mehr vergleichbares Bild seine Wirkung zeitigt. Mit Boris Becker sprach in Köln Heinz-Norbert Jocks.

*

Heinz-Norbert Jocks: Wie kamst du überhaupt zur Fotografie?

Boris Becker: Ich bin schon mit fünfzehn Jahren so herumgelaufen, um zu fotografieren, und drehte Super 8-Landschaftsfilme, indem ich bestimmte Dinge aus verschiedenen Blickwinkeln abtastete und Kamerafahrten machte. Das ist in der Fotografie nicht möglich. Eine Zeitlang dachte ich daran, Filme zu machen, aber kam schnell zu dem Schluß, als Autorenregisseur auch finanziell vor kaum lösbare Probleme gestellt zu sein.

Gab es für dich einen Bildermachzwang?

Ja, irgendwann gab es den Drang dazu. Als ich anfing, strebte ich nach schönen Bildern, anmutig in Szene gesetzt. Ich merkte jedoch schnell, daß das nicht so weitergeht, weil es keinen Sinn macht, weiter nach…

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von Heinz-Norbert Jocks

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