Magazin: Metropolis , 1991

Marius Babias

Den Druck verstärkt

Die kulturpolitischen Folgen von »Metropolis«

Nach dreimonatiger Laufzeit endete am 21. Juli „Metropolis – Internationale Kunstausstellung Berlin 1991“ mit 72 Künstler/innen aus 20 Ländern. Das mit Spannung erwartete und in Konkurrenz zur „documenta 9“ inszenierte Ereignis, auch wenn die Eitelkeit der drei Duellanten Joachimides, Rosenthal und Hoet jeden Vergleich ignorierte bzw. dementierte, löste ein weltweites Interesse an der Kunst wie auch an der vielbeschworenen Kulturmetropole Berlin aus. Die Diskussionen betrafen gleichermaßen die Orientierungslosigkeit der zeitgenössischen Kunst und ihrer Kritiker. In kulturpolitischer Hinsicht ist jedoch ein Meilenstein auf dem Wege Berlins zur Metropole gesetzt. Auch wer, wie Jan Hoet, über die Zukunft von Großausstellungen nachdenkt, kommt an „Metropolis“ nicht vorbei, denn diese Ausstellung konfrontierte den Unterhaltungwert der Kunst mit der Kombinierfähigkeit des Publikums.

Ohne Zweifel war „Metropolis“ das herausragende Kulturereignis dieses Jahres in Berlin und vielleicht auf Jahre hinaus, auch wenn die Zweifler ihre Stimme lauter erhoben als die Befürworter. Die Tatsache, daß die Pressemeinung tendenziell negativ ausfiel (von der scharfen Kritik der „FAZ“ und „Frankfurter Rundschau“ über die moderate der „New York Times“ und der „Süddeutschen Zeitung“ bis zur indifferenten des „Spiegels“), beruht auf einer Reihe von Mißverständnissen.

„Metropolis“, anders als „Zeitgeist“ vor neun Jahren am gleichen Ort, war kein Projekt mit trendsetterischen, missionarischen oder bekennerischen Ambitionen. Wer also künstlerische Fluchtwege aus der modernistischen Sinnkrise erwartet hatte, der mußte enttäuscht werden. Daß sich diese Enttäuschung vielfach in persönliche Attacken gegen Joachimides und Rosenthal entlud (Peter Iden unterstellte den beiden in der „Frankfurter Rundschau“ eine Agentenschaft des Kunsthandels), zeigt nur die…

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von Marius Babias

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