Magazin: Museen & Institutionen , 1994

Andreas Denk

Design statt Kohle

Auf der Essener Zeche Zollverein etabliert sich die Kultur

Eine der Hauptaufgaben, denen sich die Internationale Bauausstellung (IBA) Ruhrgebiet widmet, ist – im Zuge der Förderung des Strukturwandels des Ruhrgebiets – der Erhalt und die Umnutzung von alten Industrieanlagen. Paradestück der Projekte, die in die IBA aufgenommen wurden, ist sicherlich Schacht XII der Zeche Zollverein im Essener Vorort Katernberg, ein Hauptwerk der berühmten Industriearchitekten Friedrich Schupp und Martin Kremmer, das die beiden 1930 errichteten.

Seit 1986 fördert Zollverein nicht mehr – die Kohlevorräte unterhalb Katernbergs waren nicht mehr abbauwürdig. Dennoch blieb – im Gegensatz zu vielen anderen denkmalwerten Zechenanlagen der Umgebung – die Übertagegebäude des monumentalen Meisterstücks von Schupp und Kremmer komplett erhalten. Nach langwierigen Diskussionen um den Erhalt der Zeche überhaupt, soll Zollverein nun als Zeugnis der Industriekultur des 20. Jahrhunderts restauriert werden. 1989 begannen auf Veranlassung der Stadt Essen und der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) die Restaurierungsarbeiten auf Zollverein, die inzwischen über Mittel der EG, des Bundes und der Kommune erfolgt. Zunächst entwickelte man eine Sanierungsmethode, um die Außenansicht der symmetrisch angeordneten, komplett mit dunkelroten Hartbrandklinkern verkleideten Anlage erhalten zu können. Dann folgte ein Nutzungskonzept, das in der ehemaligen Zechenschlosserei zunächst eine Ausstellungshalle für Skulptur entstehen ließ, in der Ulrich Rückriem 1990 seinen Beitrag zur documenta 1992 präsentierte. Seitdem entstanden in einem weiteren Werkstattgebäude Zollvereins Büros und Werkstätten eines Langzeitarbeitslosenprojekts, das an der Restaurierung der Zeche mitarbeitet, und in der ehemaligen Lese- und Wipperhalle ein Theaterraum, in dem das Essener Theater (auch vor Publikum) probt (Architekten: Heinrich Böll und…

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