Titel: Dressed! - Art en Voque · von Heinz-Norbert Jocks · S. 84
Titel: Dressed! - Art en Voque , 2009

Die Bande der Raserei

Ein Gespräch mit Jean-Charles de Castelbajac

Von Heinz-Norbert Jocks

Jean-Charles de Castelbajac, 1949 in Casablanca geboren, berühmter französischer Mode- und Industriedesigner, schaffte den Sprung auf die Titelseite der Illustrierten „Woman’s Wear“ mit seiner ersten Modekollektion. Da war er gerade mal 19 Jahre jung. Er gestaltete Roben für Papst Johannes Paul II., Kostüme für den Film Anne Hall von Woody Allen und für Isabelle Adjani in Violette und Francois sowie für Rie Rasmussen in „Femme Fatale“ von Brian De Palma. Neben Elton John trugen auch Johnny Rotten und andere Popstars seine Entwürfe. Bereits in den 60er Jahren gestaltete er Kleider mit für die Mode ungewöhnlichen Materialien, die demonstrativ auf die sinnliche Erlebbarkeit verwiesen. Seine Schulzeit verbrachte er in einem Jesuitenkolleg in der französischen Provinz. Der traditionell vorbestimmen Laufbahn des Aristokraten (Militär oder Jura) entzog er sich durch seine Übersiedelung nach Paris. Er, der Entwurfsskizzen an Guy Laroche verkaufte, arbeitete unter anderem mit Kenzo. 1970 dem Geist der Pariser Studentenrevolte verpflichtet, präsentierte er in seiner ersten Kollektion unter eigenem Namen neben Kleidern auch Jacken und Mäntel aus Verbandsmull, Putzlappen, Staubtüchern, Netzen und Plastikplanen, aus Fallschirmseide und Kartoffelsäcken. Beeindruckt von der Idee der Arte povera und in kritischer Distanz zur Ideologie des mittelalterlichen Mönchtums, reduzierte er 1973 die Grundform seiner Kleider auf ein langgestrecktes Rechteck oder Kreuz, das „carré longue“. In seinen Gestaltungen konzentrierte er sich von nun an primär auf die „Sprache“ des Materials sowie auf die Ausdrucksmöglichkeiten der freien Fläche, dem Vorn und Hinten des Kleides. Als Folge…

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