vorheriger
Artikel
nächster
Artikel
Titel: Afrika - Iwalewa · von Al Imfeld · S. 325 - 333
Titel: Afrika - Iwalewa , 1993

Al Imfeld
El Loko – Beuys

Bäume und Pfähle

Ein Freund von Beuys sagte einmal zu ihm: „Deine Kunst ist Vererdung.“ Er widersprach nicht. Dachte lange nach, lächelte und bemerkte: „Die Kraft des Drecks und wie alles zu Dreck wird. Dreck und Filz, Humus und Erde. Ohne sie gibt es keine Kulturen. Auf ihnen wächst alles, und zu ihnen verkommt alles.“

Der Freund soll nachdenklich wie zum Takt genickt haben: „Ja, ja, ja. Richtig, wichtig. Doch ich meine noch etwas. Die Vererdung, die es braucht, um nicht von Blitzen erschlagen zu werden. Leiter, Blitzableiter, um im Zorn den Himmel verlassende, schrecklich wild gewordene und ekstatisch zuckende Blitze heil zur Erde und zur Ruhe zu bringen.“

Beuys kurz und trocken: „Du bist der Deuter. Ich bin der Leiter. Ich weiss bloss, dass der Leiter dazwischen ist. Du musst für dich wissen, was du deutest und machst. Ich für mich weiss es nicht: Das ist mein Dasein als einer, der vererden soll.“

*

In einem Gespräch nach einer Ausstellungseröffnung in Rosenheim bemerkt El Loko nebenbei, fast zufällig, die meisten mögen es überhört haben, es kam wie aus dem Tiefsten hervor und passte momentan gar nicht zu dem, was eben zur Diskussion stand: „Zuerst fallen immer die Pfähle, erst dann folgen die Bäume.“ In Afrika, zum Beispiel, wurden zuerst die Masken, bewusst gesetzte Steine und in die Natur gestellte Schilder (Pfähle) entfernt, bevor selbst Bäume und Wald den Sinn verloren.

Wohl deshalb pflanzt er keine Bäume und würde bei solchen Aktionen eher durch Stelen in der Natur – wie im…


Kostenfrei anmelden und weiterlesen:

  • 3 Artikel aus dem Archiv und regelmäßig viele weitere Artikel kostenfrei lesen
  • Den KUNSTFORUM-Newsletter erhalten: Artikelempfehlungen, wöchentlichen Kunstnachrichten, besonderen Angeboten uvm, jederzeit abbestellbar
  • Exklusive Merklisten-Funktion nutzen
  • dauerhaft kostenfrei