Ausstellungen: Hamburg , 1984

En Recherchant du deja vu?

„1984 im toten winkel“. Eine Ausstellung im Kunstverein und im Kunsthaus Hamburg

Nineteen Eighty-Four lautet die magische Zahl des Jahres. Keiner kann sich offenbar ihrem Zauber entziehen: Wer politisch „rechts von der Mitte“ steht, schielt nach Sibirien und beruft sich auf Orwells Roman, wer sich mehr links hält, blickt allenthalben auf Big Brother. Die Angst um die Freiheit und vor der total überwachten und verwalteten Welt, für die das 36 Jahre alte Buch zum Symbol geworden ist und für die es wohl gute Gründe gibt, ist zum Schlager der Saison oder besser zum Bestseller geworden: Selbst die neue Form der Warenauszeichnung durch senkrechte Striche und geheimnisvolle Zahlenkombinationen wird als Indiz für die Orwellsche Zwangswelt gewertet und vermarktet, wie das neugestaltete Cover einer Taschenbuchausgabe des Romans zeigt.

Da ist es denn fast so etwas wie eine angenehme Überraschung, wenn jemand auf die merkwürdig-makabre Jahresfeier zwar eingeht, aber nicht in ihr aufgeht, sondern Distanz bewahrt: Ulrich Bischoff, Autor der Ausstellung „1984 im toten winkel“ wollte nicht Orwells Visionen illustrieren. Ihm ging es vielmehr darum, eine bestimmte künstlerische Haltung auszuloten, ihm ging es um die Kunst, die sich querstellt zum Consens, die sich nicht kalkulieren und deshalb nicht vereinnahmen läßt, deren Lebensnerv darin wurzelt, immer ein Stück außen vor zu bleiben – im „toten Winkel“.

Wer sich die Ausstellung ansieht, ohne diese Prämisse zu kennen, und ohne zu wissen, daß sie auch eine Form der Verweigerung bedeutet, indem sie dem Staat, der offenbar gerne bereit ist, künstlerische Arbeiten und Ausstellungen zum Thema…

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