Ausstellungen: Berlin , 1984

Gisela Breitling

Ladengalerie, Berlin

In einer Zeit lärmenden Farbspiels, der großen Gesten und Leinwände wirkt das Werk der Malerin Gisela Breitling fast anmaßend, weil im Widerspruch dazu. Ihre Gemälde, die sie im APRIL / MAI in der Ladengalerie in West-Berlin ausstellte, sind ruhige, figurative Zustandsschilderungen, von Tradition gesättigt. Unter ihren Ölbildern, Gouachen und Zeichnungen finden sich zum Beispiel eine Variation auf die Venus von Cranach, ein Selbstporträt „venezianisch“ oder eine Figur à la Tübke, dem traditionsbesessenen Maler aus der DDR.

Die 1939 in Berlin geborene Malerin betont, daß sie während ihrer Ausbildung durch die „Avantgarde-Ideologie Zeit verloren habe“. Noch eine ihrer letzten Arbeiten heißt „Ich, bei Menzel lernend“. Vor allem die Renaissance-Malerei hat es ihr angetan. Deren Menschendarstellung versucht sie auch in unserer Zeit neue Darstellungsqualitäten abzugewinnen. Kleinformatige in Öl oder Acryl gemalte Porträts zeigen Menschen aus ihrer engeren Umgebung oder bekannte Personen des öffentlichen Lebens wie Hans Magnus Enzensberger, den sie vor der Kulisse Venedigs abkonterfeit. Vor allem sich selbst beobachtet sie mit unerbittlicher Strenge. Mehrere Selbstporträts zeigen ein schlankes, hohes Gesicht, umspielt von einem Hauch Melancholie, aber auch von Festigkeit, von Widerstandsgeist.

Der in früheren Jahren auffällige Zug ins Surreal-Fantastische ist zurückgegangen, findet sich noch vereinzelt in „Mondlichttorso“ oder in „Der Riß“, einer geheimnisvollen, vieldeutigen Komposition, eine menschliche Figur über einem großen, zerknüllten Stück Papier, durch das sich ein Riß zieht. Ansonsten ruhige, fast sachliche, unterkühlte Gegenstandsschilderung, die selbst den Akt zum Stilleben werden läßt.

Kennzeichnend für ihre Malerei ist die Farbgebung. Ganz bewußt verwendet Gisela Breitling eine Ton-in-Ton-Malerei, lasierend und auf Umbra…

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