Report: Kulturpolitik · S. 294
Report: Kulturpolitik , 1984

Ohne Kapital keine Kunst

Kunstförderung durch die bundesdeutsche Industrie von Michael Hübl

,,Kunst und Kommerz mit vielen Gemeinsamkeiten“ verkündete Mitte März eine Überschrift im Wirtschaftsteil der FAZ1). Die Schlagzeile war einer Rede entnommen, die der Wirtschaftsminister, Graf Lambsdorff, anläßlich der Eröffnung einer Wanderausstellung hielt, die vom Bundesverband für freiberuflich Tätige und Gewerbetreibende e.V., der Bank für Gemeinwirtschaft und dem Bundeswirtschaftsministerium gefördert wird und den überaus gehaltvollen Titel trägt: „Künstler über freie Berufe“.

Mag da auch manches bemerkenswert sein und mögen noch so viele Farbtupfer das Verhältnis des Freischaffenden zum Freiberufler akzentuieren – interessant ist diese Ausstellung vor allem ob der zahlreichen Hinweise auf die engen Verbindungen zwischen Wirtschaft und Kunst, die in den Eröffnungsreden gegeben wurden. Glaubt man den Worten Dietrich Rollmanns, des derzeitigen Hauptgeschäftsführers des Bundesverbandes der Freiberuflichen, dann besteht sogar eine Art innerer und inniger Wahlverwandtschaft, die Kinderärzte, Zahntechniker, Hifi-Spezialisten und Künstler eint: ,,Der Bundesverband der Freien Berufe grüßt die Kollegen Künstler, würdigt ihre Rolle in unserer Gesellschaft und versichert sie seiner Solidarität“.2)

Wahlverwandtschaften

Wer sich als Tankwart, Lagerarbeiter, Bardame oder Putzfrau verdingt, um sich das Geld für Brot und Farbe zu verdienen, bei dem haben des Vorsitzenden Worte vom „Kollegen Künstler“ vielleicht Unbehagen ausgelöst: Künstler leben immer noch in einer Sonder-Situation. Selbst anerkannte Künstler können – sofern sie nicht zur „Spitze“ zählen oder eine Professur haben – von den Einnähmen aus ihrer künstlerischen Arbeit oft nicht existieren und investieren.

Vor solchem Hintergrund gerät Rollmanns Grußadresse in die Nähe des Gönnerhaften. Dennoch verweist seine Aussage auf ein erstaunliches und letzthin begrüßenswertes Phänomen: Wirtschaftsleute identifizieren…

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