Titel: 54. Biennale Venedig , 2011

Susanne Boecker

Finnland

Vesa-Pekka Rannikko – And all structures are unstable 2011 / Kommissar/Kurator: Laura Köönikkä

Der kleine Holzpavillon, den Alvar Aalto 1955 für Finnland entworfen hat, ist leicht an seiner Farbe zu erkennen. Das klare Blau unterscheidet den ursprünglich nur als temporäre Struktur errichteten Pavillon von seinen aus Stein und Beton bestehenden „Kollegen“ und setzt in den Giardini einen bis heute frisch-frechen Akzent. In diesem Jahr ist die charakteristische blaue Farbe allerdings hinter einer vorgehängten, weiß-schwarz gestreiften Holz-Fassade verschwunden. VESA-PEKKA RANNIKKO (geb. 1968) versteht diese Geste als Kommentar zu Aaltos klarem finnischen Funktionalismus und zu der Temporalität dieses Pavillons, der ja eigentlich nach jedem „Gebrauch“ wieder abgebaut werden sollte, dann aber bis heute stehen blieb.

Die Architektur ist ein wichtiger Bezugspunkt für den künstlerischen Biennale-Beitrag von Vesa-Pekka Rannikko. Im Inneren präsentiert er „… and all structures are unstable“, eine in Endlosschlaufe laufende Projektion von drei einander überlappenden Videos. Eines zeigt den Künstler beim Aufbau einer Malerei-Ausstellung in ebendiesem Pavillon. Zunächst streicht er die Wände mit weißer Farbe. Unter Zuhilfenahme der ebenfalls von Aalto entworfenen kleinen Hocker beginnt er sodann mit der Hängung der Bilder. Die Gemälde zeigen gegenständliche Motive und sind Kopien, die Rannikko von gefundenen Bildern anonymer Maler angefertigt hat. Den Aufbau der Ausstellung konterkariert der Künstler durch einen parallel gezeigten destruktiven Akt: er übermalt die Gemäldekopien mit weißer Farbe. Über diese beiden in schwarzweiß gedrehten Szenen projiziert Rannikko eine rechteckige monochrome Fläche in den wechselnden Farben Blau, Rot und Gelb.

Die Projektion setzt gegensätzliche Elemente in ein Spannungsverhältnis: Narration und konkrete Farbblöcke,…

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