Titel: 54. Biennale Venedig · von Susanne Boecker · S. 290
Titel: 54. Biennale Venedig , 2011

Susanne Boecker

Ungarn

Hajnal Németh – Crash – Passive Interview / Kommissar: Gábor Gulyás. Kurator: Miklós Peternák

Autounfälle gehören zum Alltag. Stündlich tauchen sie als Hindernisgründe in den Verkehrsnachrichten auf, spektakuläre mit Todesfolge schaffen es in die Nachrichten der lokalen, manchmal auch der überregionalen Zeitungen. Autounfälle werden statistisch erfasst: Von Januar bis April 2011 ereigneten sich auf deutschen Straßen rund 715.000 Unfälle. Allein im April kamen dabei 338 Menschen ums Leben. Insofern handelt es sich um ein – leider – ziemlich alltägliches Thema, das jedoch selten Eingang in die Kunst findet (berühmtestes Beispiel sind die Car Crashs aus Andy Warhols Serie „Death and Disaster“).

HAJNAL NÉMETHS (geb. 1972) Installation im ungarischen Pavillon behandelt das Ereignis Autounfall aus der Rückblende: Der Wagen hat wahrscheinlich einen Totalschaden, aber der Fahrer/die Fahrerin hat den Crash überlebt. Er/sie steht noch unter Schock, muss das Erlebte erst langsam verarbeiten. Dabei fehlen ihm/ihr die Worte, zu frisch ist die Erinnerung, zu groß das Entsetzen darüber, wahrscheinlich gerade noch mal so knapp mit dem Leben davongekommen zu sein. Und auch die Umgebung ist entsetzt, man will wissen, wie es genau passiert ist, wie es zu der Katastrophe kommen konnte.

Die in Berlin lebende Künstlerin hat diese posttraumatische Situation in einer mehrteiligen Inszenierung verarbeitet, deren Kernstück eine experimentelle Oper ist. Zwei Sänger – Unfallopfer/-verursacher und Befrager treten darin auf. Das Libretto ist als „Passives Interview“ angelegt, bei dem nur geschlossene Fragen gestellt werden, auf die der Befragte mit Ja oder Nein antworten kann. In dieser Form spiegeln sich die Bestürzung und die…

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