Titel: 54. Biennale Venedig · von Susanne Boecker · S. 284
Titel: 54. Biennale Venedig , 2011

Susanne Boecker

Kanada

Steven Shearer – Exhume to Consume Kommissar: National Gallery of Canada / Kurator: Josee Drouin-Brisebois

Der Eingang ist eine Provokation: mit einer neun Meter hohen falschen Fassade bietet der Kanadier Steven Shearer (1968) den benachbarten Pavillons von Deutschland und Großbritannien Paroli. Mit diesem Vorbau rückt er den 1958 in der hinteren Ecke der Giardini schneckenförmig um einen Baum herum errichteten kanadischen Pavillon näher an die Prachtstraße der internationalen Länderrepräsentanzen heran. Konterkariert wird dieser große Auftritt Kanadas allerdings durch den Text, der in weißen Lettern auf schwarzem Grund auf der Pseudoarchitektur prangt: einem in dem provokativen Vokabular von Black und Death Metal gehaltenen neuen Gedicht des Künstlers. Zudem ist der Eingang zum Pavillon rechter Hand in einer winzigen Bude untergebracht und so niedrig, dass sich hier wohl jeder Erwachsene den Kopf stoßen dürfte.

Wer sich derart eingestimmt in das Innere des Pavillons begibt, wird überrascht sein von der konventionell-musealen Anmutung der Präsentation. Die Schau umfasst 12 Gemälde, 81 Zeichnungen, eine Skulptur sowie einen geschlossenen Block mit 127 Gedichten. Bevölkert ist Steven Shearers Bilduniversum vor allem von langhaarigen, androgynen Jünglingen. Mit unverkennbaren Anleihen von Künstlern wie Edward Munch, Henri Toulouse-Lautrec, Pablo Picasso oder den deutschen Expressionisten porträtiert Shearer die Protagonisten seiner Bilder als Suchende und Verlorene, als Künstler und Träumer, die ihre Haare oft wie einen Schutzmantel um sich breiten. Er spielt mit den Klischees historischer Porträtmalerei, orientiert sich bei der Art des Farbauftrags, der Anordnung der Figuren, der Pinselführung oder Farbgebung an historischen Vorbildern und bleibt dabei doch stets an der Oberfläche…

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