Titel: Kunstverweigerungskunst II · von Kerstin Skrobanek · S. 116
Titel: Kunstverweigerungskunst II , 2015

Florian Slotawa

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von Kerstin Skrobanek

Begreift man die 1960er-Jahre als Ausgangspunkt diverser Verweigerungsstrategien, kann Florian Slotawa wohl als einer der Bildhauer gesehen werden, die in Bezug auf Skulptur oder Objektkunst die damals gestellten Forderungen in einem besonders starken Maße radikalisiert haben. Slotawa entnimmt seine Arbeitsmaterialien ausschließlich dem Alltagskontext und führt sie – dies sehe ich als Weiterführung oder Steigerung der Verschränkung von Kunst und Alltag – auch nach der Präsentation des skulpturalen Ergebnisses oder nach der Fixierung in Fotografien wieder dorthin zurück. Für viele Arbeiten hat er Material benutzt, das aus dem privaten Kontext stammt und durch die Veröffentlichung während der Ausstellung plötzlich jedermann zugänglich wird. Aus der in den 1960er-Jahren geforderten Verschränkung von Kunst und Leben wird eine extreme Entblößung des Privaten im Öffentlichen, eine Entgrenzung, die man schon fast als Verweigerung von Privatheit auffassen könnte oder als extreme Exponierung der eigenen Lebenswelt. Auch von einer Fixierung auf Ewigkeit hält Slotawa nichts, seine Arbeiten sind, bis auf wenige Ausnahmen, ephemer. Material anzuschaffen, um daraus etwas herauszuarbeiten oder zu modellieren widerstrebt ihm, der Einsatz von Stein oder Bronze käme für ihn niemals in Frage.1 Slotawa verschließt sich radikal der Preziose, selbst dann, wenn er Werke anderer Künstler als Material für die eigene Arbeit verwendet. Durch die Anordnung mehrerer Kunstwerke verschiedener Künstlerkollegen tritt deren materieller Wert in den Hintergrund, und der Blick des Betrachters wird mehr auf die Dynamik, Tektonik und Ausrichtung der jeweiligen Skulptur gelenkt. In anderen Fällen tritt durch die Kombination einer vormals als Preziose konzipierten Skulptur mit einem Sockel…

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