Titel: Redefreiheit , 2012

Astrid Mania

Frosch in Untersicht:

Über Zensur in der (modernen) Kunst

Rettet die Putten!“, war jüngst ein launiger Kommentar von Peter Dittmar in der Welt überschrieben.1 Der Titel bezog sich auf einen Vorstoß der australischen Kinderschutz-Aktivistin Hetty Johnston, die Regierung ihres Landes möge Bilder von nackten Minderjährigen verbieten. Hätte Johnstons Forderung Erfolg, so Dittmar, und würde man sie konsequent auf die bildende Kunst anwenden, würden sich die Säle mit den Alten Meistern spürbar leeren – schließlich prangen dort auch zahlreiche Madonnen mit entblößtem Jesuskind. Und so sinniert der Kommentator weiter, müsste man dann nicht gleich sämtliche Aktdarstellungen von den Museumswänden entfernen? Da sie mindestens zu Voyeurismus verführen könnten? Bei beiderlei Geschlechtern? Was bliebe dann von der Kunstgeschichte übrig?

Derart weitergedacht wird aus Johnstons Anliegen eine Kunst-Groteske, über die sich bei der Zeitungslektüre genüsslich-überheblich schmunzeln lässt. Doch Dittmar verfehlt in seinem Kommentar zwei wesentliche Punkte: Zum einen ist Frau Johnston aktuell im westlichen Kontext keine vereinzelte Kämpferin für Sittlichkeit und Anstand, sondern eine von vielen Stimmen, die an bestimmten Bildern Anstoß nehmen und diese deshalb bannen wollen – und das betrifft immer wieder auch die Kunst. Darum reicht es nicht, wie weitere Beispiele in diesem Text zeigen werden, eine Hetty Johnston zu verlachen. Denn zum anderen zeigt die „Causa Jesuskind“ auch, wie angreifbar eine sogar verfassungsmäßig garantierte Schutzzone für die Kunst sein kann, wenn die Kunst gesellschaftlich besonders sensible Themen auf den Punkt bringt.

Tatsächlich scheinen sich in jüngster Zeit Berichte über Angriffe auf Kunst, über deren (versuchte) Zerstörung und Verhinderung zu häufen.2 Für diese Beobachtung…

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