Titel: Redefreiheit · von Stefan Heidenreich · S. 132
Titel: Redefreiheit , 2012

Stefan Heidenreich

I like it. Redefreiheit im Netz

Verschwindendes Gerede

Eine ganze Reihe von vermeintlichen Gewissheiten werden im Netz in Frage gestellt. Das betrifft auch die Redefreiheit. Es kommt zu neuen Konstellationen von Freiheiten und Überfluss, von Redenkönnen und Schweigenwollen. Am Ende wird Redefreiheit in einer Welt, die Freiheit als Service anbietet und Rede als Rohdaten nutzt, zu einem Geschäftsmodell.

Was wird dann aus der politischen Forderung nach Redefreiheit? In weiten Teilen der Welt ist sie eingelöst, aber zugleich auf eine erstaunliche Weise unwirksam geworden. Denen, die sie noch erringen müssen, steht dieselbe Enttäuschung womöglich erst noch bevor. Dass nämlich die Redefreiheit geradewegs ins Gerede führt, und zwar gerade im Netz und seinen partizipativen Plattformen, „auf dem Wege des Weiter- und Nachredens. Das Geredete als solches zieht weitere Kreise und übernimmt autoritativen Charakter.“1 Man kann das einfach als weiteren Auswuchs der medialen „Blödmaschinen“ abtun, aber damit ist der Frage nach dem politischen Sinn der freien Rede nicht beantwortet.2 Darauf, dass gerade die Freiheit der Rede ein Mittel sein könnte, um einen Diskurs zu kontrollieren, hat Michel Foucault bereits hingewiesen. Je mehr gesagt wird, desto besser funktionieren Strategien des Machterhalts und der Meinungsbildung, die noch aus den Zeiten der Broadcast- und Programm-Medien herrühren.3 Die Kommunikationsforschung hat die Steuerungs-Verfahren der Massenmedien erfunden, verfeinert, an Umfragen rückgekoppelt, um schließlich bei jenem System subtiler Meinungsbildung zu enden, mit dem die Politik ihre auf zwei Dimensionen, rechts und links, geplättete Landschaft pflegt. Strategien wie Agenda-Setting, das Setzen von Themen, oder Gatekeeping, das gezielte Filtern von Inhalten, funktionieren am besten,…

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