Titel: Redefreiheit , 2012

Hubertus Butin

Gerhard Richters RAF-Zyklus
in der Kunstkritik

Gerhard Richters aus fünfzehn Ölgemälden bestehender Zyklus „18. Oktober 1977“ von 1988 zeigt das Ende der ersten Generation der Roten-Armee-Fraktion (RAF). Angesichts dieser Bilder hat sich vor allem in Deutschland und in den USA eine anhaltende Diskussion entwickelt, die von großem Lob bis zu heftiger Ablehnung reicht. Die bildnerische Repräsentation der Täter und die Nichtdarstellung der RAF-Opfer haben im Laufe der Jahre zu zahlreichen Missverständnissen, Unterstellungen und Diffamierungen geführt. Besonders bemerkenswert erscheint, dass in diesem Fall die Freiheit und Legitimität der Kunst und auch der Ausstellungsinstitutionen wiederholt in Frage gestellt worden ist.

Keine andere Arbeit eines deutschen Künstlers ist seit 1989 international so intensiv und kontrovers diskutiert worden wie Gerhard Richters Gemäldezyklus „18. Oktober 1977“.1 Dies liegt weniger an der Prominenz des Künstlers als vielmehr an den besonderen Motiven der Bilder. Die vor allem in den 1970er-Jahren erfolgte Konfrontation mit dem Terror war für Staat und Gesellschaft eines der größten und einschneidensten Traumata der deutschen Nachkriegsgeschichte. Ulrike Meinhof, die für das ideologische Konzept maßgeblich verantwortlich war, erklärte als Ziele der Gruppierung die „Vernichtung, Zerstörung, Zerschlagung des imperialistischen Herrschaftssystems – politisch, ökonomisch, militärisch“.2 Bis 1993 wurden dabei insgesamt 34 Menschen von der RAF ermordet. Langfristig strebten die Terroristen die Entfesselung eines revolutionären „Volkskrieges“ an, zu dem es jedoch nie kam.

Auf der einen Seite steht die RAF für eine menschenverachtende und letztendlich gescheiterte Ideologie. Auf der anderen Seite war eine Folge ihrer Taten die Radikalisierung des Staates, der der Bedrohung mit immer härteren und fragwürdigeren Mitteln entgegentrat und…

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von Hubertus Butin

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