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Magazin: Symposien & Kongresse · S. 419 - 419
Magazin: Symposien & Kongresse , 1991

Heinz Thiel
Grafik-Design-Ost-West-Kongreß in Braunschweig

(15.- 17.11.1990)

Angelegt war das zweitägige Treffen an der HBK Braunschweig, wie so vieles in den vergangenen Monaten, als Zugabe für eine Ausstellung zum 40jährigen Jubiläum des Verbandes der Grafik-Designer der DDR – man wollte sich, mit dem Anschauungsmaterial vor Augen oder im Rücken, austauschen. Das Thema war auch dementsprechend: Kulturplakate. Da schienen die Rollen nicht so einseitig verteilt zu sein wie auf dem Gebiet der Konsum- und Produktenwerbung. Die Vereinigung ließ dann den Kongreß brisanter werden, als man gewünscht hatte. Das Thema blieb, aber der „reale Wettbewerb“ hatte die Karten bereits neu gemischt. Ullrich Wallenburg, der stellvertretende Direktor der Staatlichen Kunstsammlung in Cottbus, resümierte zwar noch, daß Kunst und Kultur in der vormaligen DDR für den freien Grafiker die tragenden Säulen seiner Einkünfte waren und die Nischen für die relativ freie Entfaltung von Kreativität und Individualität, aber die Betroffenen stellten einmütig fest, daß diese ehemaligen Garanten für künstlerische Freiheit und erträgliches Auskommen sich längst verflüchtigt hätten. Zwar existieren die meisten Kunst- und Kulturinstitutionen der ehemaligen DDR noch, aber sie verhalten sich so still wie eben möglich, um ihre Eigenständigkeit (und die Arbeitsplätze. ihrer Mitarbeiter) noch ein wenig über die Zeit zu retten. Aufträge zur Gestaltung eines „öffentlichen Gesichts“ vergeben sie nicht mehr; man könnte sie ja bemerken.

In den alten Bundesländern waren aber für den Grafiker Kunst- und Kulturinstitutionen nie eine ökonomische Stütze – und eine künstlerische konnten sie deshalb auch nicht sein.

„Kulturplakate“, das Zauberwort für eine streßfreie Annäherung, hatten den Kongreß stumm gemacht. Es wurde zwar…


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