Ausstellungen: Bonn , 2006

Kathrin Luz

Gregor Schneider:Totalschaden

Bonner Kunstverein, 11.3. – 23.4.206

Das Auto steht geplättet vor der Wand, die Glasfront ist zerschellt in tausend Stücke. Totalschaden – das Wort fällt, und man denkt sofort an total schlechte Laune und andauernde Verstimmung für mindestens eine Woche. Totalschaden kann aber auch Kunst (be-)treffen. Ein Riss quer durch die Leinwand, eine zertrümmerte Keramik, eine verrostete, mürbe Konstruktion, eine ausgebleichte Fotografie, und alles ist hin: Viel Arbeit auf Seiten des Künstlers – und nicht selten auch noch viel Geld auf Seiten des Sammlers. Wie gut, dass es Gregor Schneider gibt. Er zeigt uns, dass ein Totalschaden in der Kunst nicht nur ein totales Ärgernis, sondern auch ein interessanter Casus Cnaxus sein kann. Denn ein Kunstwerk mit deklariertem Totalschaden ist – zumindest im Paragraphenland – plötzlich kein Kunstwerk mehr, sondern lediglich eine mehr oder weniger sinnlose Materialakkumulation von niedrigerem Rang. Die lädierte Arbeit passiert sozusagen rückwärts den Gang durch die Weihen der Kunst, die sie adeln und mit Bedeutung aufladen. „Es [Das Kunstwerk] scheidet aus dem Qeuvrekatalog aus, es verliert den Status eines Werks“ (so steht es jedenfalls im Begleittext zur Ausstellung) – und vor allem seines Wertes.

Der Verlust des Wertes, die Zerstörung des Werkes – das sind offenbar Themen, die den Rheydter Künstler und Preisträger des Goldenen Löwen von Venedig aktuell reizen. Erst kürzlich machte er auf sich aufmerksam, indem er beharrlich die Realisierung seines monumentalen schwarzen Kubus einforderte – und sich immer wieder eine Abfuhr einholte. Erst in Venedig, dann in Berlin. In Hamburg sieht es nun gut…

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